In Teil 14 der großen Interviewreihe bekommt die Leiterin der Stadtbibliothek Naumburg Sabine Matzner das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr über die Weiterentwicklung ihres Hauses, ihr Team, Angebote und Hintergründe und Möglichkeiten, die diversen kulturellen Kräfte der Region zu vernetzen.
Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

über Sabine Matzner
Werdegang
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Weiteres
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Nicht nur auf Veränderungen reagieren, sondern auch eigene Ideen einbringen
Interview mit Sabine Matzner
Guten Tag Frau Matzner. Sie sind die Leiterin der Stadtbibliothek Naumburg, die vor einigen Jahren von ihren Standorten in der Jägerstraße und am Stephanplatz in die Salzstraße 35 umzog. Wieso wurde der Umzug nötig? Und was hat sich dadurch verändert?
Die Stadtbibliothek Naumburg ist als „Third Place“, also: „Dritter Ort“ konzipiert. Was bedeutet das denn eigentlich konkret? Was steckt hinter diesem Konzept?
Daraus folgt ja auch, dass es einen „Ersten Ort“ und einen „Zweiten Ort“ geben muss. Ist das so? Wenn ja, was beinhalten denn diese Orte strukturell?
Sie beteiligen sich an der Aktion „1000 Bücher für Naumburg“. Um was geht es denn hier und für wen ist diese Aktion da?
Anlässlich des Stadtjubiläums sind alle Naumburger*innen und Freunde der Stadt dazu eingeladen, Teil einer besonderen Aktion zu werden: Bis zum Jubiläumsjahr 2028 möchten wir die „Bibliothek der 1000 Bücher“ mit den Lieblingsbüchern der Naumburger*innen füllen. Es soll nicht irgendein Buch sein, sondern ein Buch, das besonders begeistert hat, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt oder das neue Perspektiven eröffnet hat. Mitmachen können Einzelpersonen aber gern auch Kita-Gruppen, Schulklassen, Hort-Gruppen, Vereine, Lesekreise, Institutionen … usw.
Die Aktion hat bisher 180 Lieblingsbuchspenden in die Bibliothek gebracht. Von Kinderbüchern, über Comics, Sachbücher, aktuellen Romanen und Klassikern ist die Auswahl sehr bunt und gibt Einblicke, was Naumburgerinnen und Naumburger gern lesen. Und es wird weiter gesammelt – bis 2028 soll die Bibliothek der 1000 Bücher weiterwachsen. Übrigens sind alle Lieblingsbücher inklusive der kurzen Statements der Spender*innen im Bibliothekskatalog auf unserer Internet-Seite zu finden. Es kann also auch virtuell und aus der Ferne in der Bibliothek der 1000 Bücher gestöbert werden. Die Bücher selbst stehen in einem besonderen Regal in der Bibliothek, können aber auch auf Wanderschaft gehen. Wer möchte, kann eines der Bücher mitnehmen, es lesen, weitergeben oder wieder zurück in die Bibliothek bringen. So tragen wir die Aktion in die Stadtgesellschaft und vielleicht auch in die Welt.
Mit dem langjährigen Bilderbuchprojekt „An die Bücher, fertig, LosLesen“ bekamen Sie 2026 den 3. Preis in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement“ des Deutschen Lesepreises verliehen. Was ist das denn für ein Bilderbuchprojekt? Wer war denn alles und wer ist noch beteiligt?
Das Projekt ist eine Kooperation der Stadtbibliothek Naumburg, der Lesepaten des Naumburger Bürgervereins e. V. und zahlreicher Naumburger Kitas: Welches Bilderbuch ist das schönste? Diese Frage beantworten fast 500 Kinder aus 15 Naumburger Kitas. 124 aktuelle Bilderbücher standen zur Auswahl. Die Kinder haben gelauscht, geschaut, diskutiert und schließlich ihre 31 Favoriten gewählt. Viele Kita-Gruppen setzten ihr Lieblingsbuch mit einem kreativen Projekt in Szene. Das Ergebnis ist eine bunte Ausstellung voller großartiger Bilderbücher und kreativer Ideen, die Lust aufs (Vor-)Lesen macht. Die Entscheidungen der Kinder geben spannende Einblicke in ihre Lebenswelten. Welche Themen beschäftigen sie? Welche Geschichten berühren sie? Welche Bilder sprechen sie an? Die ausgewählten Bilderbuchfavoriten und die kreativen Arbeiten der Kinder geben darauf vielfältige Antworten. So ist eine bunte Bilderbuchsammlung voller Humor, Abenteuer, Wissen, Gefühle und Fantasie entstanden.
Das Projekt und die Ausstellungseröffnung werden von zahlreichen Menschen und Institutionen unterstützt, darunter: der Naumburger Bürgerverein e. V., der Förderverein der Stadtbibliothek Naumburg e. V., Constanze Matthes, die Gutenberg Buchhandlung, Falko Matte, der Imker Henning Jaworski, die Glockengold Fruchtsaft AG, das EDEKA Center Hinze, die Bäckerei & Konditorei Block, handgemacht Saale.Unstrut, IMMERHUT, Karin Urban, der DJL-Dachverband Jugendliteratur, München, das Naumburger Tageblatt, Fielmann Naumburg, das Lokale Bündnis für Familie Naumburg, Frank Schallschmidt, die Technischen Werke Naumburg GmbH. Außerdem unterstützt das Land Sachsen-Anhalt das Projekt mit Mitteln der Kulturförderung.
Eine lebendige Bilderbuchvermittlung – von Kindern, für Kinder und für unsere Stadt!
Ich bin fasziniert von der Vielfalt des Veranstaltungsangebots Ihres Hauses. Auf Ihrer Seite las ich auch, dass dieses durchgängig „Eintritt frei!“ zur Verfügung gestellt wird. Wie funktioniert denn hier die Finanzierung? Mit wem agieren Sie hier zusammen?
Solch eine Stadtbibliothek lebt aber auch von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Liebe zum Medium und zu den Menschen. Können Sie uns ein bisschen etwas zu Ihrem Team sagen, Frau Matzner?
Es gibt auch einen Förderverein der Stadtbibliothek Naumburg e.V.. Vom Halleschen Verein weiß ich, dass dieser beispielsweise Büchermärkte veranstalten, um Geld zu sammeln für die dortige Bibliothek. Was für Projekte schiebt denn der Naumburger Förderverein an?
Naumburg steht, schon allein durch das historische und touristische Interesse, im Burgenlandkreis exponiert da. Wenn Sie von hier in die ganze Region schauen: Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen?
Und was für Lösungen können Sie sich denken? Die Region zukunftssicher zu machen sollte ja unser aller Auftrag sein.
Im März 2026 erschien in der Mitteldeutschen Zeitung ein Artikel mit dem Titel „Vielfältige Aufgaben, weniger Geld – Wie Naumburgs Stadtbibliothek ihr Angebot trotzdem halten will“. Ja, wie denn? Welche Schrauben können Sie drehen, jetzt, wo gerade im Segment Leseförderung und Bildung der Schmalhans Einzug gehalten hat, während anderswo vor Fülle kaum noch gelaufen werden kann?
Wenn die Mittel knapper werden, darf die Antwort nicht einfach lauten: weniger Leseförderung, weniger Kultur. Wir haben schon immer schauen müssen, wie wir unsere Angebote finanziell und personell stemmen können, denn einen Überfluss gab es in unserem Bereich noch nie.
Unsere Stellschrauben sind u.a. ein gut funktionierendes Netzwerk. Nur gemeinsam können wir Angebote bündeln statt sie auszudünnen. Lesungen, Workshops und andere Aktionen werden gemeinsam mit Kitas, Schulen, Vereinen und anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen geplant und umgesetzt. So lassen sich Räume, Personal und Kosten teilen.
Auch die Konzentration auf besonders wirksame Angebote hilft. Wir stärken die Leseförderung dort, wo sie Kinder erreicht – etwa über Kooperationen mit Schulen und Kitas.
Fördermittel – ein ganz wichtiger Punkt: Wir nutzen seit Jahren Landes- und Bundesprogramme, und können so einzelne Projekte ermöglichen, z.B. Projekte der Demokratiebildung im Rahmen von „Land.schafft.Demokratie“ (Bundeszentrale für politische Bildung) und „Lesezeichen Demokratie“ der Landeszentrale für politische Bildung. Dies sollte aber nicht die verlässliche kommunale Grundfinanzierung ersetzen.
Ehrenamtliche Unterstützung erfahren wir seit Jahren und diese ist für unsere Arbeit enorm wertvoll und wichtig. Unser Förderverein und die Lesepatinnen und -paten unterstützen uns bei vielen Aktionen und Events.
Außerdem müssen wir prüfen, welche Angebote und Formate besonders wirkungsvoll sind, welche am Bedarf der Menschen vorbeigehen und welche sich mit geringem Aufwand weiterentwickeln lassen. Dabei darf die reine Besucherzahl nicht das einzige Kriterium sein. Wenn anderswo tatsächlich Mittel in größerer Fülle vorhanden sind, sollte offengelegt werden, nach welchen Prioritäten die Mittel verteilt werden. Kultur- und Bildungseinrichtungen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Öffentliche Bibliotheken gehören zu den meistbesuchten Kultureinrichtungen. Unsere Bibliothek besuchen täglich 150 bis 200 Menschen – sie nutzen unser Angebot und schätzen uns als offenen Ort der Bildung und Begegnung. Diese Nachfrage sollte sich auch in der Ausstattung widerspiegeln: Bibliotheken brauchen ausreichend finanzielle Mittel und Personal, um den Bedarf verlässlich decken zu können.
Schlussendlich müssen wir auch noch einmal auf das Geld zusprechen kommen, welches Nutzerinnen und Nutzer zahlen müssen. Wie ist das denn bei Ihnen? Ich erfuhr von einer Schnuppermitgliedschaft … was ist das denn? Und was kostet eine reguläre Mitgliedschaft bei Ihnen wem genau?
Danke, Frau Matzner, für Ihre Zeit, Ihr Engagement und Ihr Durchhaltevermögen.