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In Teil 15 der großen Interviewreihe bekommt die Künstlerin und Mitveranstalterin des Naumburger Kunstmarkts in den Adventswochenenden Sabine Ebert-Hoyer das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr über die Herausforderungen einer freiberuflichen „Lebens“-Künstlerin, Zusammenarbeiten in der Region, die gesellschaftlichen Aufgaben hiesiger Kunst und „wunderbaren Blödsinn“.

Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

Allein mit sich und seiner Kunst würde man wohl einsam ertrinken.

über Sabine Ebert-Hoyer

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Allein mit sich und seiner Kunst würde man wohl einsam ertrinken.

Interview mit Sabine Ebert-Hoyer

Guten Tag Sabine Ebert-Hoyer. Ich sah letztes Jahr beim Naumburger Kunstmarkt in der Galerie im Schlösschen (Markt 6) auch Ihre Kunst. Sie waren hier Teil eines sich präsentierenden Kunst-Zwölfers am ersten, zweiten und dritten Advent jeweils Freitag, Samstag und Sonntag. Soll es eigentlich Ende 2026 wieder solch eine Möglichkeit, Kunst zu erleben, geben? Können Sie uns dazu vielleicht schon etwas erzählen?
Ja, wir werden wieder da sein. Bis zum 10. Oktober 2026 konnten sich Künstlerinnen und Künstler bewerben. Jetzt stecken wir im Auswahlverfahren.
Sie sind gebürtig aus dem Geiseltal, haben an der Halleschen Burg studiert und sich danach zur Ergotherapeutin ausbilden lassen. Seit 2001 leben Sie, wenn ich richtig informiert bin, in Naumburg. Was hat Sie denn in diese Stadt getrieben? Und vor welchen Herausforderungen stehen Sie hier in Naumburg und in unserer Region, gerade als freiberufliche Künstlerin und Designerin?
Da haben Sie meine Vita gut gelesen. Alles richtig, aber sie ist eher unter verkaufswirksamen Aspekten zu betrachten.
Eigentlich müsste da stehen: mehr oder weniger freiberufliche Lebenskünstlerin.
Naumburg hat natürlich einen bedeutenden Anteil daran. Zum einen habe ich mich hier, unter der Obhut meiner lieben Kollegen, zum ersten Mal in die Öffentlichkeit gewagt, zum anderen muss man aber auch auch bemerken, dass das Pflaster für Freiberufler hier schon recht schmal ist.
Nach Naumburg bin ich vor 25 Jahren aber wegen der Ergotherapieausbildung gekommen.
Wie begegnen Sie ganz persönlich diesen Herausforderungen?
Ich habe viele Jahre dazu verdient. Sich allein als Künstlerin geschäftlich aufzustellen - da geht man hier unter.
Ich war vor einigen Wochen einige Wochen in Berchtesgaden in Bayern und habe dort mit vielen Künstlerinnen und Künstlern gesprochen. Dort werden Kreative stark gefördert, ihre Kunst findet direkt in der Stadt statt. Wie steht es hier in der Region um die Förderung Ihrer Arbeit? Gibt es Zusammenarbeiten zur gegenseitigen Stärkung?
Das gibt es. Für den Kunstmarkt müssen beispielsweise keine Gebühren an die Stadt abgeführt werden. Dafür übernehmen wir Künstlerinnen und Künstler aber einen Großteil der Organisation. Es bestehen auch Zusammenarbeiten mit dem hiesigen Kunstverein.
Das Problem ist aber: Kunst und Kultur sind selbstverständlicher Bestandteil und Massenware des täglichen Lebens geworden und genauso selbstverständlich wird oft mit Künstlerinnen und Künstlern umgegangen. Gut geht es nur wenigen Aktiven damit. Auch kulturinteressierte Menschen haben das oft nicht im Blick.
Sabine Ebert-Hoyer in einem ihrer derzeitigen Lieblingsprojekte: dem Gotischen Haus in Burgheßler, in dem es inzwischen neben Theater- und Konzertveranstaltungen auch Kunstausstellungen gibt
Sabine Ebert-Hoyer in einem ihrer derzeitigen Lieblingsprojekte: dem Gotischen Haus in Burgheßler, in dem es inzwischen neben Theater- und Konzertveranstaltungen auch Kunstausstellungen gibt
An welchen Stellen muss nachjustiert werden?
Wer Kultur fördern will, sollte beim Künstler oder der Künstlerin anfangen, und dann die Veranstalter befähigen. Wir leben zwar in einer übersättigten Welt, wenn da was verloren geht, mag das nicht gleich auffallen, aber Kunst kann ein gutes Korrektiv für eine Gesellschaft sein, die gerade dabei ist, gegen die Wand zu fahren.
Kunst schafft Identität, sagte mal Dr. Philipp Seitz in einem Vortrag auf Burg Ranis. Welches Ziel haben Sie, liebe Frau Ebert-Hoyer, mit Ihrer Kunst? Was wollen Sie erreichen, vielleicht sogar bewegen?
Kunst schaffen und verstehen ist immer ein sehr persönlicher Vorgang. Wir müssen dazu tief in unser Innerstes blicken. Lassen wir uns ein, können wir in der Auseinandersetzung mit der Kunst reifen, denn es gibt nur einen Ort, an dem man ankommt: bei sich selbst.
Kunst ist auch ein Versuch, der Vollkommenheit, die uns verloren gegangen ist, wieder näher zu kommen. Man sagt manchmal: Der Künstler erleidet sein Werk. In der Auseinandersetzung um diese Vollkommenheit hat das durchaus seine Berechtigung.
Kunst in die Welt zu bringen ist zuallererst in der Regel eine einsame Tätigkeit. Dann braucht es aber Netzwerke. Wie ist denn da Ihr Umfeld aufgestellt? Wie sieht es mit selbstorganisierten Strukturen in Naumburg und Umgebung aus?
Ja. Das ist richtig. Allein mit sich und seiner Kunst würde man wohl einsam ertrinken. Kunst und Künstler müssen eben auch gesehen werden.
Ich bin sehr dankbar, in einer aktiven Künstlergruppe unterwegs zu sein. Wir treffen uns seit Jahren und arbeiten an eigens gewählten, meist gesellschaftlich relevanten Themen, stellen dann in der Naumburger Rathausgalerie aus. Unser nächster Termin: April 2027 „It's showtime“.
Ihre eigene Kunst ist von einer faszinierenden Vielfalt. Wenn ich Ihre Werke „Goldfisch & Bedrohung“, „Wer ernten will, soll auch zugreifen“ oder „Cosplay im Kinderzimmer, kleiner Schabernack“ nebeneinander hänge, sind da wirklich unterschiedliche Stile zu sehen. Wie kommt das? Wie entscheiden Sie, welche Stile Sie nutzen für welche Themen? Gibt es da einen erklärbaren Prozess? Ich bin da echt gespannt, wie Sie das handhaben …

Flexibilität ist ein Privileg in der Kunst. Man kann sich ständig neu erfinden. Wirtschaftlich effektiv ist das zwar nicht, denn es fällt einem ja nichts einfach so zu. Man muss schon auch erst ausprobieren, wie was funktioniert. Aber das ist der Sinn des Lebens!

Lustig finde ich allerdings, dass ich eine Ausstellung füllen könnte und niemand würde an eine einzige Person denken.
Zwei der genannten Arbeiten schuf ich vor Jahren für einen wöchentlich stattfindenden Internetwettbewerb. Die Themen waren alle solch wunderbarer Blödsinn und wohl auch frei von jeglichem Potential späterer Verwertbarkeit. Ich denke, ich war bei den Wettbewerben mit Abstand die Älteste, was für alle mit Sicherheit sehr amüsant war.

Menschen, die sich mit Kunst beschäftigen, beschäftigen sich in der Regel – eben auf einer anderen Ebene – auch mit den gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie leben in Naumburg und sehen von hier Ihren Ausschnitt der Welt. Wie, denken Sie, kann unsere Region voran gebracht werden. Was braucht es dafür? Sehen Sie Licht?

Ja, es gibt Licht. Es gibt viele Menschen, die aktiv sind und werden. Das ist ein Potential, welches noch viel zu oft unter der Rubrik „Zusatzarbeit“ geführt wird. Aber es ist für die Zukunft und das Ansteckungspotential riesig. Jetzt muss sich die Gesellschaft fragen, ob sie Angst hat vor ihren eigenbestimmten, aktiven und selbst organisierten Mitgliedern oder ob sie zulässt und unterstützt.

Viele Dinge sind ins Rollen gekommen, das ist das Schneeballprinzip. Gut zu wissen: Die größten Narren werfen immer den ersten Ball und werden später zu Helden!

Danke, liebe Sabine Ebert-Hoyer, für Ihre Kunst, Ihre Gedanken und Ihre Zeit, uns zu antworten.
Das Interview wurde geführt von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner
Veröffentlicht am 23. Oktober 2026
© Foto(s): Ebert-Hoyer privat