In Teil 12 der großen Interviewreihe bekommt die Bauherrin, Handwerkerin, Raumgestalterin, Gastgeberin, Kulturarbeiterin, Stadt- und Verkehrsgeographin und Eigentümerin des Bahnhofs Nebra Jana Fischer das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr über den neuen Kulturort, Herausforderungen bei der Aktivierung, Vernetzungen, die eigene Stärke und die stille Idylle mit Wohlfühlgarantie im Burgenlandkreis. Eine starke Frau! Ein faszinierendes Gespräch!
Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

über Jana Fischer
Werdegang
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Weiteres
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Stille Idylle. Die gibt es hier und Wohlfühlen sowieso.
Interview mit Jana Fischer
Guten Tag Jana Fischer. Sie sind die Eigentümerin des Kulturdenkmals Bahnhof Nebra. Was ist denn ein Kulturdenkmal ganz konkret?
Als Stadt- und Verkehrsgeographin beschäftigen Sie sich beruflich mit der Entwicklung von Orten. Was hat Sie gereizt, mit dem Bahnhof Nebra irgendwann selbst einen Ort zu entwickeln?
Und seit wann und warum füllen Sie den Ort mit neuen Kulturangeboten?
Bei den kulturellen Angeboten arbeiten Sie intensiv mit Frank Oberhof und dem Liedertour e.V. zusammen. Wie kam es denn zu dieser Kooperation?
In unser Region einen neuen Kulturort zu schaffen, gerade wenn man von außerhalb kommt, stelle ich mir als Wagnis vor, gerade auch finanziell ... Manchmal ist der ungebrochene Blick von außen aber auch gut, schließlich ignoriert man damit oft verkrustete Gleise. Welchen Herausforderungen sind Sie begegnet im Bahnhof Nebra und wie sind Sie damit umgegangen. Wo kam Unterstützung her?
Die wohl größte Herausforderung war und ist die Finanzierung. Allein einen Baukredit für ein Bahnhofsgebäude zu bekommen, war schon eine Hürde. Ein solches Projekt passt nicht unbedingt in die üblichen Finanzierungsmuster klassischer Banken. Zum Glück fand ich bei einer sozial-ökologischen Bank eine Finanzierung und fühlte mich dort mit meinem Projekt von Beginn an gesehen. Einen kleinen Teil der bisherigen Baukosten konnte ich außerdem mit Fördermitteln und Privatdarlehen finanzieren.
Doch so ein Denkmal zu erhalten, kostet weiterhin, auch weil noch nicht alle Bauschritte abgeschlossen sind – aktuell etwa die Fertigstellung der Gastro-Einheit oder die Wiederherstellung der bahnsteigseitigen Wartesaaltür, damit der Wartesaal künftig wieder barrierefrei zugänglich ist. Bei den Veranstaltungen gibt es daher auch eine Bauspendenkasse und auf der Bahnhofswebseite (www.bahnhof-nebra.de) eine Spendenkampagne. Wer möchte, kann darüber den Erhalt des Denkmals und seine weitere Entwicklung zum Kultur- und Begegnungsort unterstützen.
Seit dem 1. August hängt bei Ihnen im Wartesaal des Bahnhofs Nebra die Ausstellung „Toskana des Nordens trifft auf Toskana des Südens" von Rico Bendix. In der Ankündigung las ich von dem „malenden Storchenflüsterer". Können Sie uns und unserer Leserschaft etwas dazu erzählen?
Sie haben das Gebäude auch zu einem touristischen Anlaufpunkt ausgebaut, es gibt Übernachtungsmöglichkeiten. Wie werden diese denn angenommen? Die Sehnsucht der nahen Städter nach Ruhe und warmherzigem Willkommen ist doch mit Händen greifbar, meines Empfindens nach, oder?
Sie sind sicher schon in der Planung der Veranstaltungen der Saison 2026/27. Welche Highlights wird es denn geben? Können Sie uns da schon etwas erzählen?
Wenn Sie selbst private Gäste empfangen, wohin gehen Sie mit denen? Was möchten Sie in unserer Region den Menschen zeigen, was ist Ihnen hier das Wichtigste? Jetzt mal von der Himmelsscheibe abgesehen …
Ich bin ja auch immer fasziniert von den Menschen der Region, so war beispielsweise der Vampirismusforscher Michael Ranft (1700 bis 1774) Diakon in Nebra. Wer hat in dem wundervollen Ort Nebra – einer sogenannte Landstadt – denn noch so gewirkt und Spuren hinterlassen? Von wem wissen Sie, wessen Wege können Interessierte hier noch nachberühren?
Kein Mensch ist eine Insel. Deshalb müssen wir, auch um das Bild zu vervollständigen, mal nachfragen, wie und mit wem Sie im Bahnhof Nebra so zusammenleben und -arbeiten. Das können Sie ja nicht alles allein stemmen …
Danke, Frau Fischer, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben und Danke für den traumhaften neuen Kulturort.