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In Teil 11 der großen Interviewreihe bekommt der Kulturaktivator, Sänger, Musiker, Vorleser, Veranstalter, Vernetzer, Mitmensch und Vordenker Robert Weinkauf aus Goseck das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihm über seine persönlichen Hintergründe, Herausforderungen für die Kultur im Burgenlandkreis, vergangene und wiederauferweckte Bands, Festivals, Yoko Ono, Tiefschläge und Auferstehungen und über ganz viel Musik und Ehrenamt.

Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

"Es ist auch einfach Lebensqualität, hier in dieser Region leben zu können."

über Robert Weinkauf

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Es ist auch einfach Lebensqualität, hier in dieser Region leben zu können.

Interview mit Robert Weinkauf

Guten Tag Robert Weinkauf. Du hast 2025 den Georg-Christoph-Biller-Preis bekommen. Wofür eigentlich?

Der Preis ist eine Initiative des Burgenlandkreises in Kooperation mit der Sparkasse Burgenlandkreis, der langanhaltendes kulturelles Engagement und ebenso Verdienste um die „kulturelle Bildung“ hier im Kreis würdigen möchte. Benannt ist er nach dem in Nebra geborenen 16. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach.

Und also diese Würdigung unter Billers Namen und unter seinem Credo „Nicht das Schrille, sondern das Beständige soll da sein“ in einem heiter-bewegenden Festakt in „meiner“ Schlosskirche anzunehmen, ausgerechnet an dem Tag, der sein 70. Geburtstag gewesen wäre, ist mir erstaunlich leicht gefallen, weil ich mich darin tatsächlich mit all dem, was ich seit über dreißig Jahren hier im Burgenlandkreis mache und offenbar auch für den Gemeinnutz geleistet habe, gesehen fühle.

Da sind wir ja schon mittendrin in Deinem Engagement für den Burgenlandkreis. Du hast Dein Hauptquartier in Goseck. Was machst Du dort ganz konkret? Welche sind Deine Aufgaben dort auf dem Schloss?

Aus einem mir sehr bedeutenden, ursprünglich Leipziger Freundeskreis, der dort bereits seit Mitte der Achtziger Jahre besteht, nämlich haupt- und ursächlich das Ensemble IOCULATORES, ist 1998 das entstanden, was man heute als Musik- und Kulturzentrum Schloss Goseck kennt. Also eine umfangreiche Kulturarbeit in dieser von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt geretteten, historisch und nun eben auch kulturell hervorhebenswerten Liegenschaft, zwischen Naumburg und Weißenfels hoch über der Saale gelegen.

Wir sind ein kleiner, aber höchst effektiver, gemeinnütziger Kulturverein, der über die Jahre vieles initiiert hat, aber vor allem auch selber viel veranstaltet hat und immer wieder und immer noch mitten dabei ist. Ich bin da neben meinem engsten Kompagnon Sebastian Pank ein leitendes Vorstandsmitglied, Gesicht und Veranstalter. Jemand schrieb mal Impresario. Das klingt nicht nur besser, sondern trifft es vermutlich auch noch besser. Ich habe aber zudem das Glück, angestellt zu sein bei der SubsiDiariuS GmbH, der Dienstleistungsgesellschaft unserer Landes-Kulturstiftung. Und da habe ich also einen Job als Aufsicht und Gästeführer der Schlosskirche, was sich für mich kaum hätte besser fügen können. Auch müsste man sich sonst wohl fragen, wie ich mir so viel Ehrenamt überhaupt leisten könne.

Und wie und warum bist Du hierher gekommen? Wir kennen uns ja noch aus der Zeit davor, als Dein Lebensmittelpunkt in Leipzig war.
Genau dieses eben Genannte war der Grund. Als Verein - in dem Georg Christoph Biller übrigens Gründungs- und Ehrenmitglied war - hatten wir es im Laufe kürzester Zeit geschafft, Schloss Goseck als einen Kulturort zu etablieren, der nicht nur in die direkte Umgebung bis Jena, Halle und Leipzig strahlte, sondern Besucher und Gäste auch aus dem ganzen Bundesland, aus ganz Deutschland, anlockte. Und dann war ich, meistens mit der ganzen Familie, an sehr vielen Wochenenden in Goseck. Irgendwann hat sich das umgedreht, weil der Aufwand, den wir ja wollten, immer mehr wurde. Und so haben wir getauscht, sind umgesiedelt nach Goseck und ab und an nach Leipzig gefahren. So handhabe ich das heute noch. Es ist auch einfach Lebensqualität, hier in dieser Region leben zu können. Manchmal kann man sich da schon fast privilegiert fühlen. Ich denke, da wirst Du mir inzwischen zustimmen können, denn unlängst bist Du mir an die Saale gefolgt…
Wenn ich mir die Geschichte unserer Kultur vergegenwärtige, habe ich das Gosecker Sonnenobservatorium, die Schamanin von Bad Dürrenberg und ganz viel Kultur, Kultur, Kultur … Wie Bobo von Bobo In White Wooden Houses mal zu mir sagte: „In der Gegend um Goseck begann alles, was wir jetzt sind.“ Welche kulturellen Markierungen sind denn die Dir selbst am wichtigsten in unserer Region?

Ich glaube, ich würde tatsächlich zuerst diese Empfindung hervorheben, die Bobo auch benennt. Dieses Bewusstsein für diesen Schmelztiegel, der in seiner tausende Jahre alten Geschichte bis heute noch überall erkennbar und vermutlich dadurch auch besonders fühlbar ist.

Goseck selbst ist natürlich ein bemerkenswerter Ort mit seiner ganzen Besiedlungsgeschichte bis in die Steinzeit zurück, aber auch die etwa 1200 im wahrsten Sinne des Wortes greifbaren Jahre der jüngeren Geschichte mit Burg, Kloster und Schloss Goseck.

Es fällt mir schwer, Weiteres herauszupicken. Diese gesamte hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft fasziniert mich: also auch Neuenburg und Schönburg, Saaleck und Rudelsburg, Zscheiplitz, Naumburg, Memleben und so weiter.

Du bist auch in „montalbâne“ involviert, das Internationale Festival für mittelalterliche Musik. Inwieweit denn und seit wann? Was machst Du da so?

Das Leipziger Ensemble für mittelalterliche Musik IOCULATORES, dessen Sänger ich war, hat das Festival 1991 gegründet. 2009 haben wir das Ensemble nach 25 Jahren aufgelöst. Das Festival steht also längst in Trägerschaft eines eigenen Vereins, aus dessen Vorstand ich mich aber erst in diesem Jahr zurückgezogen habe. Nicht, um dem Festival nach fünfunddreißig Jahren den Rücken zu kehren, sondern weil ich gemerkt habe, dass meine immer noch mehr werdenden Aufgaben, die ich mir mit Schloss Goseck als Kulturort, als Netzwerk und Partner so vieler Initiativen ständig anlache, mich daran hindern, der Bedeutung von „montalbâne“ mit der von mir selbst zu erwartenden Arbeitsqualität noch gerecht werden zu können. Aber es ist letztlich nur „eine Hochzeit weniger“, auf der ich tanze. Ich bleibe trotzdem Teil des Festivals, das natürlich auch ohne mich auf ein fantastisches Team um Direktorin Susanne Ansorg und Geschäftsführer René Matthes zurückgreifen kann, zum Teil inzwischen auch mit Leuten, die ein ganzes Stück jünger sind als wir!

Und dann bleibt ja sowieso auch noch die Verbindung über das „montalbâne Ensemble“, in dem ich einer der drei ständigen Sänger bin. Das Ensemble arbeitet in Trägerschaft des Festivals, so dass „montalbâne“ also sowieso immer Herzensangelegenheit bleiben wird, so lange es das und uns gibt.

Ich mag Deine Veranstaltungsreihe „WEINKAUF trifft…“ sehr. Kannst Du unseren Leserschaften mal bitte erzählen, worum es hier geht? Wo machst Du das, warum, seit wann, mit wem und wie geht es weiter?

Das freut mich! Es ist ein weiteres der vielen dauerhaften Projekte in meinem Leben…

Das geht zurück ins Jahr 2009, als im Februar die Veranstaltungsreihe der „Gosecker Schlosskonzerte“ startete und viele weitere „Veranstalter“ nach sich zog. Ursprung waren die seit 2004 stattfindenden, monatlichen „Leipziger Küchenkonzerte“ des Kulturvereins „Die Liedertour“ um Frank Oberhof und unsere gemeinsame Idee, am Folge-Abend auf Goseck ein zweites Konzert zu veranstalten, wenn die Künstler einmal in der Gegend sind. Letztlich sind solche Überlegungen auch ökonomischer Natur, aber uns entspricht natürlich viel mehr der verlockende Aspekt, „Kultur auf’s Land“ zu bringen. Inzwischen sind es monatlich 19 Stationen durch ganz Mitteldeutschland, darunter nur marginal wenige in den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz. Präsentiert werden mit einer jeweils einen knappen Monat andauernden Tournee Liedermacherinnen und -macher in allen nur erdenklichen Facetten dieses Genres. Das trägt auch, weil es da so wahnsinnig viele gute Leute gibt, die nur heutzutage kaum mehr im Radio vorkommen und deshalb oft unter dem Wahrnehmungsradar bleiben.

Die Kurzfassung ist, dass es nach 108 dieser monatlichen Konzerte auf Goseck, die ich mit meiner damaligen Frau Anna umgesetzt habe, mehrere Umbrüche gab, die dazu führten, ab Januar 2019 die Idee etwas variiert an verschiedenen anderen Orten in der Region und unter dem neuen Namen „WEINKAUF trifft…“ fortzuführen. Und da habe ich jetzt die #50 auch schon wieder überschritten. Ohne die Pandemie und eine wenig später notwendige Auszeit meinerseits wären es erneut bereits über einhundert…

Seit Dezember 2024 finden die Veranstaltungen übrigens im Weißenfelser Café Marché 15 von Karolin und Thomas Schubert statt, direkt am Markt. In der Regel ist es der dritte Dienstag jedes Monats und meistens sollte man rechtzeitig eine Eintrittskarte haben. Die Dezember-Veranstaltung mit André Herzberg ist heute schon ausverkauft…

In der Region liest Du an diversen Orten in „Einfacher Sprache“ vor. Wie kam es dazu? Ich weiß von einer ganz persönlichen Erfahrung, die Dich dahin brachte …

Nun, das ist ansich eine eher unerfreuliche Geschichte, die aber eine glückliche und zudem noch kreative Wendung erfahren hat. Nach einem Hirninfarkt musste ich ab März 2022 das Sprechen wieder lernen. Nicht in aller Härte und Tragweite, aber schon „ernstzunehmend“. Schon davor hatte ich mich dank einer Initiative von Annett Börner, meiner damaligen Kollegin in der „Arche Nebra“, die heute für die „Stiftung Schulpforta“ arbeitet, mit Leichter und Einfacher Sprache beschäftigt. Das hat mich interessiert und hatte auch einen richtig praktischen Inhalt, nämlich mehrere Schulungen und letztlich die Erarbeitung eines Museumsführers in Leichter und eines Ausstellungs-Führungskonzeptes in Einfacher Sprache.

Im Gefühl war das für mich etwas, was ich „von mir für die“ tat. Sehr gern, aber doch auf gewisse Weise „distanziert“. Das änderte sich schlagartig mit meiner Situation nach dem Infarkt, als ich plötzlich selber „Betroffener“ war und merkte, wie wichtig zum Beispiel Nachrichten in Einfacher Sprache für mich wurden. Einfach als Mittel der Teilhabe an dem, was da ringsum passierte: Russland hatte gerade die Ukraine überfallen, was ja schon so schwer fassbar war und ist. Meine Synapsen waren in ihrem Durcheinander völlig überfordert von der Informationsflut, aber ich wollte doch trotzdem wissen, was los ist! Das hat mein Interesse also wieder ganz neu aus einem für mich selbst bedeutsamen Gesichtspunkt geweckt.

Über eine Lesung, die ich zwei Jahre später in Naumburg aus purem Interesse miterlebte, erwuchsen in mir Idee und Wunsch, dieses Angebot selbst und vor allem häufiger zu machen. Ich sah ja den Bedarf und die Freude über das Angebot dieses einen Abends! Inzwischen fühlte ich mich auch vor allem sprachlich wieder entsprechend gewappnet und unterbreitete Lion Hartmann, dem Kulturmanager des Burgenlandkreises, diese Idee. Da hatte ich über das Jahr seit seinem Amtsantritt schon an anderen Begegnungen, Formaten und Veranstaltungen gemerkt, dass er jemand ist, der sehr gut Vibes aufnehmen und entsprechende Kontakte knüpfen kann, um Interessen und deren Akteure miteinander zu verbinden und dadurch zu langlebigen Aktionen zu motivieren. Viele gute Ideen scheitern ja in der Verwirklichung leider daran, dass sie allein nicht zu schaffen sind und deshalb fallen gelassen werden.

Und mit wem arbeitest Du bei diesem Projekt zusammen?

Ich hatte dank Hartmanns Begeisterung und Zutun sofort mehrere wichtige Partner, um „Einfach Lesen“ mit dem Schloss Goseck e.V. im Rücken als Projekt auf den Weg zu bringen: das Kulturamt mit seiner wertvollen Kulturinitiative Kumbra, das Teilhabe-Management des Burgenlandkreises und die Agentur saalebrands für die grafische Umsetzung und Entwicklung zum „Label“. Seit Frühjahr 2025 lese ich nun also einmal im Monat in Zeitz (Stadtlabor), Goseck (Pfarrscheune) und Naumburg (Luisenhaus).

Das Repertoire fand und finde ich in dem Münsteraner Verlag Spaß am Lesen. Das ist ein Verlag, der seit seiner Gründung im Jahr 2009 auf Publikationen in Leichter und Einfacher Sprache spezialisiert ist und alles anbietet, was man sich nur wünschen kann auf diesem Gebiet. Einerseits eben Bücher mit alten und neuen Geschichten und Romanen bis hin zur Weltliteratur, aber auch Zeitungen, Unterrichtsmittel, lernbegleitende Materialen, also wirklich alles, was Millionen von Menschen in Deutschland die Teilhabe an so etwas Essenziellem wie dem Lesen ermöglicht. Ich möchte behaupten, dass das Angebot des Verlages ein ganz wichtiges Element ist, das diese für mich vergleichsweise neue Beschäftigung zur Passion hat werden lassen, neben den durchweg positiven Reaktionen all derer, die jeden Monat zu meinen Lesungen kommen.

Und das werden immer mehr, weil zunehmend einzelne Anfragen kommen. Schulen, Bibliotheken und sogar Messen sind inzwischen auf mich aufmerksam geworden. Ich denke, dass es kurz davor ist, dass es unter dem Label „Einfach Lesen“ neben mir weitere Akteurinnen und Akteure geben muss und geben wird. Eine großartige Entwicklung, die ich mir so gar nicht hätte ausdenken können!

Im Herbst wird im Rahmen von Kumbra eine weitere Idee umgesetzt werden, nämlich eine Art Impulsfestival Einfache Sprache in Naumburg und Schulpforta. Da wird es sensibilisierende Lehr- bzw. Weiterbildungsveranstaltungen geben für Pädagogen und Lesepaten, aber auch zwei öffentliche Lesungen mit der Autorin Marion Döbert sowie der Sprecherin Conny Wolter, dem Schauspieler Peter Schneider und mir. An Wiederholungen dieses „Festivals“ in anderen Städten des Burgenlandkreises denke ich da auf jeden Fall jetzt schon und hoffe, dass die Unterstützung solcher Teilhabe- und Bildungsangebote in Sachsen-Anhalt erhalten bleiben wird.

Du bist in der Region sehr gut vernetzt, siehst Veränderungen und Herausforderungen direkt aus vorderster Front. Wo sind die Chancen für unsere Region, Deiner Meinung nach, zu finden?

Das wäre freilich ein völlig eigenes, großes Thema. Aber vielleicht dies hier im Sinne einer „grundlegenden Chance“: Während der Zeit der Antragstellung zur Anerkennung unserer hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut als UNESCO-Welterbe, die ich mit dem Schloss Goseck e.V. und dem „montalbâne Ensemble“ sehr intensiv begleitet habe, war ein fruchtbares Zusammenwachsen in dem Bewusstsein für unsere Region zu beobachten. Wir Menschen hier haben ausgestrahlt, dass hier so viel Gutes passiert. Wir waren dadurch in der Lage, das mit Euphorie auch nach Außen zu vermitteln, unsere Begeisterung für diesen Landstrich mit anderen zu teilen.

Auch wenn „die Zeiten“ seither gewiss nicht einfacher geworden sind, nicht zuletzt auch durch politische Bewegungen, die den grundsätzlichen Zusammenhalt, diese ursprünglich gute Stimmung einer gesamten Volksgemeinschaft gezielt torpedieren, gibt es dennoch gerade hier so vieles, was gut funktioniert, was schön ist, was sich deutlich positiv entwickelt. Wir stecken als Gesellschaft in einem massiven Stimmungstief. Aber gerade hier im Burgenlandkreis gibt es so viele Akteure in Wirtschaft, Kultur, mit privatem Engagement und in der Politik, die so viel Gutes bewegen und bewirken. Ich wünsche mir wieder mehr von diesem wunderbaren Bewusstsein der Jahre zwischen 2013 und 2018. Es wäre so gerechtfertigt! Und das wäre der Nährboden für all das, was sich in unserer Region weiter entwickeln kann - und auch entwickeln wird!

Auf bandcamp.com habe ich unterschiedliche Musik von Dir gefunden. Auf dem hinterlegten Foto zu „Wozu sind Kriege da?“, welches Du 2012 mit einem Deiner Söhne beim Benefiz für die „Kinderhilfe Afghanistan“ sangst, trägst Du ein T-Shirt, auf dem „War Is Over (If you want it)“ steht, was auf John Lennon und Yoko Ono verweist. Welche Verbindungen hast Du zu Yoko und John?

Zu John Lennon leider gar keine weitere, als dass ich begeisterter Hörer seiner Musik bin und seit meiner frühen Jugend fasziniert bin von seiner Persönlichkeit in all ihren Schattierungen.

Die Beziehung zu Yoko Ono ist da deutlich intensiver, sowohl, was meine Verbindung und Auseinandersetzung mit ihrem Gesamtwerk betrifft, als auch in der Tatsache, dass wir uns seit den Mitt-Neunzigern mehrfach begegnet sind und von einander wissen, nicht nur in eine Richtung.

Der Höhepunkt dieser Beziehung lag wohl im Frühjahr 2019. Da hatte ich in Leipzig die Gelegenheit bekommen, die Kulturvermittlerinnen und das Museumsführer-Team des MdbK in die Arbeit Yoko Onos im konkreten Zusammenhang mit ihrer umfangreichen im Hause wenig später zu eröffnenden Ausstellung „Peace is Power“ einzuarbeiten und auf deren Führungen vorzubereiten. Selber habe ich dann auch unzählige Führungen übernehmen können - vor allem für Schulklassen und Fachgruppen - und einen Workshop zu den Instruktionen aus Onos wegweisendem Buch „Grapefruit“ geben dürfen.

Dort haben wir uns auch zum letzten Mal getroffen, es war ihre letzte große Reise. Yoko ist inzwischen 93 Jahre alt und schafft es nicht mehr, durch die ganze Welt zu reisen. Aber die Museen sind weltweit inzwischen voll mit großen Retrospektiven! Und nach wie vor ist sie eine enorm wichtige Ermutigerin in all dem auch emotionalen Chaos, in das sich die Menschheit manövriert.

Ich bin dem Umstand sehr dankbar, dass wir uns kennengelernt haben und dass ich in meiner Heimatstadt Leipzig sogar einmal für sie arbeiten durfte!

Auf der Homepage der Radiosendung PaROCKtikum von Lutz Schramm bist Du noch als Mitglied der Band The But verzeichnet. Gibt es Euch noch? Und wenn nicht, warum denn nicht? Ihr wart doch mal die internationalen Durchmarschierer des Kammer-Beat …

Das ist richtig, und daran wird sich rückblickend auch nichts mehr ändern: Wegbereiter sind und bleiben Wegbereiter! Das verhält sich ja mit unseren „Kollegen“ aus Liverpool, die verblüffend Ähnliches erreicht haben, auch so.

Aber ja, seit dem Ausbruch der Pandemie war es ab Frühjahr 2020 sehr ruhig geworden um die Band. Aber sie ist nicht aufgelöst! Erst im Herbst letzten Jahres gab es in Leipzig eine überraschende und also vor der Weltpresse versteckte Reunion mit Mastermind Robert P. Mau, die dazu führen wird, dass ich im August 2027 mit ihm einen Monat lang auf Tournee gehen werde, dann nicht mehr „heimlich“. Eingefleischte BUTologen werden das vermutlich den „Beginn von Phase III“ nennen…

Gibt es Pläne? Kreative bosseln doch immer an Neuem, oder?

Das stimmt. Ständig. Aber zum Zeitpunkt des Interviews keine, die schon nennenswert wären.

Gerade eben hat der Schloss Goseck e.V. Premiere eines von mir initiierten Projektes in Zusammenarbeit mit der Arche Nebra gehabt: das erste „Musikalische Picknick im Gosecker Sonnenobservatorium“. Die Idee ist sehr positiv angenommen worden und ist also auf jeden Fall fortführungswürdig.

„Einfach Lesen“ wird ganz bestimmt in steter Entwicklung sein, auch in seinen Formaten und Reichweiten.

Für mich als Musiker stehen neue Kooperationen ins Haus. Ich arbeite als Liedermacher ja seit geraumer Zeit neben solistischen Konzerten schon mit meiner Tochter Paula zusammen und ein bereits erarbeitetes und aufgeführtes Programm, gemeinsam mit der Leipziger Historikerin Doris Mundus, wird im März 2027 im Burgenlandkreis auf Tour sein. Meine Musikerkollegin Judith von Hiller, die mit mir seit 2020 den „Leipziger Liederladen“ für die „Leipziger Liederszene“ verantwortet und moderiert, und ich, fangen außerdem gerade an, uns Gedanken über ein oder zwei gemeinsame Konzertprogramme zu machen. In einem möchten wir, dass sich Eva Strittmatter und Heinrich Heine auf der Bühne begegnen.

Selbst zu spielen ist ja am Ende doch immer noch schöner, als spielen zu lassen…

Danke Robert, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst und Danke auch für Dein Engagement für Goseck und unsere Region.
Sehr gern! Danke für das Interesse an meiner und unserer Arbeit, ich stehe ja nicht allein da. Alles, was hier zu lesen ist, hat seine Ursprünge vielleicht in der Idee eines Einzelnen, aber lebt nur, weil es viele gemeinsam umsetzen. Das ist unsere Stärke und sollte auch unser aller Lust sein!
Das Interview wurde geführt von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner
© Foto(s): Volly Tanner