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In Teil 8 der großen Interviewreihe bekommt die Gastronomin, Physiotherapeutin, Kulturveranstalterin und Netzwerkerin Karolin Schubert aus Weißenfels das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr bei einem französischen Käffchen und lecker Petit Fours über die Herausforderungen der Mittelzentren im Burgenlandkreis, dem Innenstadtsterben, ihre eigene Vergangenheit, Ideen und Visionen und das Café Marché 15 mit den Dienstagsfrauen, „Weinkauf trifft“, vielen Künstlerinnen und Künstlern sowie der rebellischen Grundeinstellung zum Leben, die Karolin Schubert vorantreibt.

Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

"Ich bin immer ein bisschen Rebellin"

über Karolin Schubert

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Ich bin immer ein bisschen Rebellin

Interview mit Karolin Schubert

Guten Tag, liebe Karolin Schubert. Du leitest gemeinsam mit Deinem Mann Thomas das sympathische kleine „Kultur-Café & Bistro Café Marché 15“ in Weißenfels. Bezeichnenderweise am Markt 15, was dann ja wieder in der französischen Sprache Marché 15 heißt. Was trieb Euch an, ein kleines Stückchen Frankreich gerade nach Weißenfels zu tragen?
Ja, als erstes ist es so, dass wir auf dem Markt sind und nicht am Markt. Wir sind ja mit unserem Café mitten auf dem Marktplatz von Weißenfels und nennen uns deshalb auch das kleine Café auf dem Markt. Angetrieben hat uns, dass wir dieses Haus gekauft haben im Jahr 2017, und dass wir eine große Physiotherapie, ich zusammen mit einer Partnerin, hier in diesem Haus hatten. Diese Partnerschaft ging, wie bei einer Ehe, nur eben bei unserer GbR, irgendwann auseinander. Dann war die Frage, was machen wir? Wir haben schon immer gesponnen, wie jeder so ein bisschen Spinnströme hat: „Irgendwann eröffnen wir ein Café“. Wenn nicht jetzt, wann dann? Dazu kam noch unsere Liebe zu Frankreich. Mein Mann und ich fahren seit ungefähr 12 bis 14 Jahren jedes Jahr nach Frankreich. Wir lieben dieses Land, wir lieben diese Leute, wir lieben die Lebenskultur. Das waren die Gründe, unser Café französisch zu gestalten. Und der Name ist entstanden, weil so „Marchd Fuffzhn“, wie man anhaltisch unsere Adresse aussprechen würde, wäre für uns nicht so schön gewesen. Café Marché 15, das ist irgendwie so ähnlich.
So kam es, dass wir ein Stück Frankreich hier nach Weißenfels geholt haben.
Und wann habt Ihr dann eröffnet und wie ging es los? Und was hat das alles mit einer gewissen Barfußliebe zu tun?

Das Café Marché 15 oder Café Marché Conz haben wir eröffnet am 1. November 2024. So lange gibt es uns hier eigentlich schon. Die gewisse Barfußliebe, die Du erwähnst, die gab es schon vorher.

In meiner Physiotherapie habe ich angefangen, sehr nach Fußgesundheit zu schauen. Unser Rücken, unsere Gesundheit beginnt im Kopf und in den Füßen. Vor ungefähr sechs Jahren hatte ich selbst ein Problem und kam so zu den Barfußschuhen. Hier überzeugte mich, auch nach verschiedenen Ausprobiersachen, die Firma Leguano: eine deutsche Firma, die in Nachhaltigkeit ihre Schuhe herstellt.

Also setzte ich mich mit der Firma in Verbindung. Und so leben wir seit drei Jahren die Barfußliebe, also weit vor dem Café, mitintegriert in die Physiotherapie. Durch den Umbau ist es dann ganz natürlich gelungen, dass die Barfußliebe jetzt auch ein eigenes Schaufenster hat.

Nach wie vor betreibe ich ja noch die „Physiotherapie Centrum“. Meine Themen sind einfach, wie gesagt, Rückengesundheit und Ganzheitlichkeit zusammen. Und ja, nach vielen Wortspielen kamen wir auf die Barfußliebe.

Wie gestalten sich im kulturellen Sektor Kooperationen? Weißenfels ist zwar mit kulturellen Playern gesegnet, jedoch nicht mit allzuvielen, wie mir deucht … mit welchen Partnerinnen & Partnern agiert Ihr gemeinsam?

Wir kommen ja eigentlich aus dem Berliner Raum. Oder wie mein Mann sagen würde: Sage bitte, Du kommst aus Brandenburg.

Mir fiel hier auf, als wir im Jahr 1998 unser Haus hier gekauft hatten, eine alte Dorfschule auf einem Dorf bei Weißenfels, dass viele Leute immer sagen: Seitdem wir keine Schuh-Industrie mehr haben, ist in Weißenfels nichts mehr los, alles ist furchtbar und Kultur haben wir auch nicht mehr. Es ist aber nicht so. Ich finde, der große Vorteil, den Weißenfels zu bieten hat, ist, dass wir in der Mitte Deutschlands leben. Wir haben eine wunderbare Verkehrsanbindung, sind daher auch gesegnet mit einer A38, die uns sehr schnell in größere Kulturstädte bringt. Aber Weißenfels hat auch selbst eine Menge Kultur. Ich möchte hier nur mal das Schütz-Haus erwähnen, es gab Novalis, Louise von Francois, es gibt so viel Kultur, die man einfach nur im Blick behalten muss.

Und ich finde, es gibt hier einen sehr guten Pub in Weißenfels mit Kino und Getränken und guter Musik. Ohne Uwe Brückner würde hier ein ganzes Stück Kultur in Weißenfels fehlen. Es ist aber so, dass es neben Uwe und seinem Pub eben noch eine zweite Location mit Musik und Kultur im Innenstadtbereich brauchte, weil alle jetzt mittlerweile sagen, auch Bekannte von uns: „Es ist manchmal nicht mehr schön, mit seinen Kindern zusammen abends immer in derselben Gaststätte zu sitzen.“Deswegen ist es eigentlich schön, Kultur vielleicht auch nochmal woanders zu erfahren.

Was ich ergänzen möchte, ist, dass man dieser Stadt, dem Kulturamt, auch ein großes Lob aussprechen muss, weil die Künstlerinnen und Künstler, die hier nach Weißenfels geholt werden, etwa ins Kulturhaus, das ist eine wirklich gute Arbeit der Verantwortlichen. Auch im vergangenen Jahr auf dem Markt, da spielte Bosse, ich sage nur, Bosse in Weißenfels, der erwiesenermaßen ganz andere Bühnen füllt. Nur in Zusammenarbeit funktioniert das. Unsere Player hier in Weißenfels sind zum einen der Verein Höfische Weinnacht, bei dem mitmachen, das ist ein gutes Miteinander.

Wir versuchen natürlich auch immer mal, regionale Menschen, Künstlerinnen und Künstler, hierher zu bekommen. Aber unser Hauptaugenmerk ist, gemeinsam mit Robert Weinkauf aus Goseck, die Zusammenarbeit auch mit der Liedertour aus Leipzig rund um Frank Oberhof. Das ist ein richtiges Zusammenspiel, weil wir die Künstler kannten und Robert und mein Mann kennen sich auch schon sehr lange. Die Liedertour mit Robert Weinkauf und „Weinkauf trifft“ ist ein fester Musikort an jedem dritten Dienstag bei uns im Monat. Und die anderen Musiker, die finden wir, weil sie uns gefallen, weil wir sie gehört haben, weil wir vielleicht viele auch kennen über die Liedertour oder von den Menschen, mit denen wir uns umgeben, bauen wir dann da drumherum.

Aber es erfordert auch manchmal ein bisschen Mut und vielleicht auch ein bisschen Keckheit, einfach größere Musiker anzurufen und zu sagen, wir sind ein kleiner Laden, wir können sicher auch nicht so viel zahlen, aber hättest du vielleicht Lust, in Weißenfels zu spielen? So hatten wir das große Glück, im vergangenen Jahr Simon Becker hier bei uns zu haben und den Fährmann, die eigentlich auch ganz, ganz andere Bühnen finden. Das lässt einen oft so ein bisschen schweben. Dazu gehört aber auch die gute Kooperation mit unseren Nachbarn, den Gastronomen. Wir sehen uns hier alle nicht als Konkurrenten. Ob es unser direkter Nachbar ist, Schultheiß, ob es das Brauhaus Weißenfels ist, ob es jetzt der Italiener ist oder jemand mit seiner mediterranen Küche, wir gehen aufeinander zu, wir reden miteinander. Ich glaube, solange wir alle miteinander reden und uns alle voll akzeptieren können wir, ähnlich wie in einer Nachbarschaft, uns auch gegenseitig ganz schnell helfen. Man weiß ja, wie es zu Hause es ist, wenn da mal ganz kurz eine Kleinigkeit fehlt. Das ist, was für mich zählt, ein Miteinander.

Innenstädtischer Leerstand ist ein großes Problem in Mittelzentren, nicht nur in Weißenfels, hier aber spürbar aufgrund der Struktur der Stadt. Wie ist diese Entwicklung aufzuhalten oder umzukehren? Ich lese gerade das Buch „Stadt und Landkreis Weißenfels“ von Gerhard Bach und Heinz Gotsch. Da sind viele Bilder drin aus der Weißenfelser Innenstadt vergangener Jahre und ich muss schon sagen: Da war schon mal mehr Lametta … Was denkst Du, was kann von wem getan werden?

Mehr Lametta ist gut gesagt. Das kommt bei uns auch immer, weil an unserem Weihnachtsbaum auch kein Lametta mehr hängt. Früher war da mehr Lametta.

Und leider ist das auch richtig. Wir haben gerade im letzten halben Jahr unwahrscheinliche Einbrüche hier in Weißenfels erlebt. Das war etwa mit einer großen Drogerie-Kette, die wegging und mit einem großen Kaufhausbetreiber mit Drogerie-Artikeln, der auch gesagt hat, er schließt jetzt sein Haus. Das ist hart und das ist bitter. Aber es hat natürlich auch einen Grund. Und der Grund ist: der Kunde.

Alle sagen: Die Innenstadt stirbt. Aber wenn auch die letzten Menschen, die sich vorher nicht mit Internethandel beschäftigt haben, dies während Corona gelernt haben, also auch in einer Alterskategorie, die jetzt vielleicht um die 70 sind, die sich das angeeignet haben und leider merken, dass es ja für sie sehr bequem ist, so zu kaufen, dann ist es natürlich auch eine Sache des Endverbrauchers, warum Innenstädte sterben. Das gilt nicht nur für Weißenfels, sondern überhaupt in ganz Deutschland.

Aufzuhalten ist das schwierig. Man kann sich nur wünschen, dass hier noch etwas passiert. Wir als Einzelhändler und Gastronomen merken natürlich seit dem Weggang von Müller, dass viel weniger los ist in der Stadt.

So war immer gesetzt: Dienstag ist Markttag. Dienstags haben ältere Menschen aus den Dörfern den Bus benutzt, haben vielleicht noch einen Behördengang oder ihre Bankgeschäfte, ihre Krankenkasse, erledigt, und, dass sie hier waren gleich genutzt, sich in ihren alten Strukturen mit alten Freundinnen, Kollegen, wie auch immer, in der Innenstadt zu treffen und dann zu essen, Kaffee zu trinken. Da merkt man schon, dass es weniger geworden ist.

Wir können uns jetzt alle hinstellen und jammern. Das hilft jedoch auch nicht und heulen schon gleich gar nicht. Es ist tragisch, aber wir müssen alle versuchen, gemeinsam irgendetwas aus der Situation herauszuziehen. Vor gut zwei Jahren, wir hatten noch nicht mal das Café, da habe ich irgendwann mal zu allen Händlern dieser Stadt im Rahmen des Innenstadtvereins gesagt: Lasst uns bitte für eine Stunde an einem Dienstag alles schließen, für eine Stunde. Wir setzen uns einfach alle gemeinsam auf den Markt, damit der Kunde sieht, wie unsere Innenstadt vielleicht irgendwann mal aussieht. Und aus Angst, dass an diesem Tag vielleicht auch kein Umsatz kommen kann für diese eine Stunde, haben bis auf drei Leute alle gesagt, nein, wir machen es nicht. Das war schade. Wir hätten es damals tun müssen, um vielleicht ein Zeichen zu setzen.

Da ist vielleicht der Punkt, dass ich da immer so ein bisschen Rebellin bin. Wir müssen jetzt einfach schauen, wie wir aus dieser Situation etwas machen können. Das Tagesgeschäft in Weißenfels ist schwierig, für den Einzelhandel ist es noch schwieriger. Wir können nur Highlights schaffen. Wir haben viele Gäste, die unser Café besuchen von außerhalb. Die hier auch wie in dieser Woche gerade wieder Station machen, von Berlin nach Regensburg, von der Autobahn abfahren, vorher gesehen haben, hier gibt es ein französisches Café, und hier bewusst anhalten. Das motiviert natürlich auch ein bisschen, wir werden von anderen Menschen und anderen Regionen schon ganz anders wahrgenommen, als wir uns selber oft sehen. Man sagt oft, um in Berufsbildern der Schuster zu sprechen: Der eigene Schuster hat die schlechtesten Leisten. Oder die Kirschen des Nachbarn schmecken immer viel besser. Das ist genau der Punkt, der aber hier, gerade auch in Weißenfels, zutrifft, dass man sich schlechter macht, als man vielleicht ist.

Wie gesagt, Innenstadtsterben gibt es überall, aber wir haben gute Anlagen. Sicher ist es im Augenblick schwierig, da das Schütz-Haus gerade renoviert wird, und das Schloss auch gerade noch eine Baustelle ist. Aber nur gemeinsam sind wir stark.

Eine größere Angst als des Innenstadtsterbens ist eigentlich für mich selbst unsere Landtagswahl. Da müssen wir jetzt alle am Ball bleiben und zusammenhalten.

Wir können nicht alle abhauen.

Mittlerweile habt Ihr in Weißenfels schon viele Erfahrungen machen können. Was funktioniert hier und was nicht? Gerade im kulturellen Sektor?
Die Erfahrungen im kulturellen Sektor sind eigentlich ganz gut. Durch eine doch recht gute Community ist es so, dass unsere Veranstaltungsankündigungen bei vielen Geschäften und in der Touristinformation der Stadt Weißenfels gut verbreitet und verteilt werden. Da gibt es jetzt viele Kooperationspartner, wobei man manchmal einfach auch staunt, wie gut das funktionieren kann. Auch hier trifft wieder zu: Man sieht sich hier nicht als Konkurrenz. Beispielsweise habe ich mich sehr gefreut, dass unser Oberbürgermeister der Stadt Weißenfels, der selbst auch gerne Musik macht in seiner Freizeit, im vergangenen Jahr hier ein Konzert bei uns gegeben hat und erfreulicherweise dann auch noch für einen sozialen Zweck seine Gage gespendet hat, nämlich gegen Einsamkeit. Das ist doch für mich ein gutes Zeichen.
Wir hatten uns schon einmal bei einem Getränk unterhalten, dadurch weiß ich von Deiner unruhevollen Jugend. Kannst Du uns ein bisschen etwas über Dein Leben vor dem Marché 15 erzählen bitte?

Mein Leben vor dem Markt 15 ist schon ein bisschen gelebt worden, weil ich bin ja nun in diesem Jahr auch schon 61 Jahre alt geworden. Das kann man ja hier auch mal sagen, auch wenn man damit manchmal so ein Problem hat.

Meine unruhevolle Jugendzeit begann dadurch, dass ich mich schon früh für Demokratie einsetzte. Ich komme ja aus der ehemaligen DDR oder aus dem Osten Deutschlands, wie man es heute sagen kann, und war insofern in meiner Jugend unruhevoll, weil ich diejenige war, die sich in der evangelischen Kirche engagierte, die, als ich das gewisse Alter hatte, es auch gut fand, in der jungen Gemeinde zu sein. Es gingen damals die Aktion los mit „Schwerter zu Flugscharen“. Mit diesem Symbol bin ich dann übrigens auch zu meinem Fachschulstudium nach Köthen gegangen. Das hat jetzt nicht immer offene Türen geschaffen. Wir waren relativ zeitig in der Bewegung des Neuen Forums mit dabei. Ich gehörte zwar nicht zu den Erstunterzeichnern, war aber mit am Anfang dabei. Wir kopierten Sachen zu einer Zeit, wo man es dort noch nicht hätte kopieren dürfen. Dass ich damals in Berlin natürlich auch die Angriffe um den 7. Oktober 1989 sehr gut mitbekommen habe, wie Leute aus Kirchen verdrängt wurden, wie sie verhaftet wurden. Was noch am 7. Oktober, obwohl am 9. November ja alles anders war, noch versucht wurde, um Leute in die Enge zu drängen. Und das Ganze ging dann letztendlich so weit, dass wir vom Neuen Forum, darüber bin ich sehr stolz, mit Joachim Gauck in Bernburg an der Landwirtschaftsschule Bundesforen abgehalten haben. Letztendlich war ich bis 1998 dann die letzte hauptamtliche Bundesgeschäftsführerin des Neuen Forums, weil so lange ging damals noch diese Parteienfinanzierung, das hing ja alles mit den Wahlen zusammen. Und ich war auch ein Teil der Geschäftsführung des Hauses der Demokratie in Berlin, die ja alle Parteien, die dort drin waren und politische Vereinigungen mitgetragen haben. Eine meiner letzten Amtshandlungen, die ich da noch umsetzen musste, war eigentlich der Kampf ums Haus der Demokratie, welches dem Deutschen Beamtenbund gehörte und an den auch wieder zurückging. Auch hier haben wir versucht, uns für die Demokratie einzusetzen, zu kämpfen, Konzerte zu geben, mit interessanten Leuten immer wieder zusammenzuarbeiten, ob wir Konzerte gemacht haben mit Wolf Biermann oder ob wir mit Christian Ströbele, der ein wichtiger Anwalt war, damals zusammen mit Renate Künast, ganz viel dort versucht haben zu bewegen. Damals war der leitende Richter, den haben wir jetzt ja woanders, der Herr Hans-Jürgen Papier, der war damals noch zuständig und hat dafür gesorgt, dass das Haus der Demokratie an den Deutschen Beamtenbund zurückging. Deswegen ist das bei Verfassungsrichtern immer so eine Sache, wie man das sieht.

Neben der vorführenden Kultur hast Du auch die „Dienstagsfrauen“ ins Leben gerufen. Kannst Du uns bitte erzählen, wie es dazu kam? Und wie läuft es so?

Die Dienstagsfrauen sind eigentlich die Gesprächskreise der Frauen, die Dienstags stattfinden. Ich nenne sie jetzt auch schon die Dienstagsfrauen. Und wie sind sie entstanden? Sie sind entstanden im Oktober 2025 in meinem Kopf.

Genau an dem Tag, als durch die Medien die Stadtbild-Diskussion ging und das ganze: Wer hat Angst vor wem? Ich war zu der Zeit gerade krank zu Hause. Da hat man dann auch sehr viel Zeit, in sozialen Medien nochmal mehr zu lesen, obwohl ich wusste, dass jetzt mein Zeitpunkt wieder gekommen ist, dass ich etwas tun muss. Und dann hat es etwas gedauert. Ich habe darüber mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Weißenfels gesprochen, weil Frau Henze und ich kennen uns schon seit über 20 Jahren. Wir kennen uns durch ganz viele andere Veranstaltungen und Aktionen, haben auch schon viele Sachen zusammengerockt und gestemmt, wie man so schön sagt in der Frauenpolitik. Gewalt gegen Frauen findet meistens auf ganz anderen Ebenen statt, die findet nicht im Stadtbild statt, die findet auch nicht auf dem Marktplatz statt. Die migrantische Frau hat Angst vor ihrem migrantischen Mann und vor den Männern, die um sie herum sind, aber auch vor dem weißen Mann. Die weiße Frau hat Angst vor weißen Männern, aber auch natürlich vor dem migrantischen Mann. Und da ist ja auch noch die Frage, ob er überhaupt ein Migrant ist oder hier sogar geboren ist, aber er hat einfach eine andere Hautfarbe.

Alle haben irgendwo Angst, aber die stille Gewalt gegen Frauen, gegen Kinder, findet, und das ist ja nachweisbar, im häuslichen Rahmen statt. Es muss nicht der Ehemann sein, es kann der Vater sein, der Onkel, der Cousin, wie auch immer, aber es sind häufig bekannte Menschen. Und dazu kommt noch, dass alle immer mit Gewalt in Verbindung bringen, dass es körperliche Gewalt ist, also irgendwas, was Menschen danach körperlich beeinträchtigt. Das aber viel größere Problem im Augenblick ist die emotionale und psychische Gewalt. Wir reden auch immer davon, dass sowas stattfindet in Schulen und sonst wo, aber es findet zu Hause statt. Dagegen galt es etwas zu tun, und das war der Hauptgrund, diese Dienstagsgespräche ins Leben zu rufen.

Wenn man so eine Vision und so eine Idee hat, und man hat da einen festen Partner, und der heißt Stadt Weißenfels, und die Gleichstimmungsbeauftragte der Stadt Weißenfels, dann kann man natürlich viel, viel mehr rocken. Wir begannen im Februar, geblockt ist immer der zweite Dienstag im Monat. Es ist immer ein Kreis von zwölf bis 15 Frauen, ein fester Bestand, aber auch immer wieder neue Frauen. Daraus sind viele schöne Sachen entstanden, wie zum Beispiel eine Kleidertauschbörse, wo wir untereinander Klamotten getauscht haben. Und wegen der Nachhaltigkeit ist das ja auch ganz schön. Daraus ist aber auch entstanden, die Aktion Gesicht zeigen für eine vielfältige Demokratie in diesem Land. Für Menschenwürde, für Menschlichkeit und ohne Gewalt. Dass das möglich ist, und dass man so viele tolle Leute und tolle Frauen kennenlernt, wo sich so viel Potenzial bündelt, das macht mich sehr froh, das macht mich sehr glücklich. Diese Vielfältigkeit, die einfach daraus entstanden ist ... ich kann es kaum in Worte fassen, das ist wiederum eine Form von demokratischem Glück, welche jetzt einfach in mir wieder hochkommt.

Der Veranstaltungsplaner ist schon bis Mitte 2027 gut gefüllt. Wie kommt Ihr auf die Acts? Gibt es ein Ausschlussverfahren? Ich kann mir vorstellen, dass ja doch mehr Künstlerinnen & Künstler auftreten möchten, als möglich.

Wir haben unseren Plan ja schon angefangen zu füllen, bis Mitte 2027. Der dritte Dienstag ist natürlich immer belegt durch „Weinkauf trifft“ und die Liedertour. Natürlich melden sich bei uns auch Künstler. Wir schauen aber auch, wen wir gern haben wollen.

Natürlich gibt es hier ein persönliches Ausschlussverfahren.Wir stehen auch in unserem Café nach wie vor für eine vielfältige Demokratie. Und somit ist eine rechtsextremistische Lebenshaltung bei uns der Ausschlussgrund. Andere haben ein Schild dran: Kein Bier für Nazis. Wir sagen: Keine Musik für Nazis. Das ist aber wirklich das einzige Ausschlusskriterium.

Eigene Texte sind natürlich immer schön. Ein Ausschlusskriterium, welches ich gerade nicht mitgedacht habe, ist natürlich auch der Platz. Unsere größte Herausforderung waren mal fünf Künstler zusammen auf einer Bühne. Unser Platz ist eher optimal für drei Künstler. Aber man schafft manchmal auch mehr. Wir werden sicher kein Orchester hierher kriegen. Manches läuft dir zu und manches suchst du selbst. Mittlerweile gibt es mehr Anfragen, wir werden gefunden. Und das freut uns natürlich auch. Wir hoffen, dass es so weitergeht.

Gibt es Kultur, die Du unbedingt noch nach Weißenfels bringen möchtest, liebe Karolin? Und wenn ja, von wem?
Schlussendlich möchte ich natürlich viele Kulturen ins Café Marché bringen. Ein besonderer Traum von mir wäre schon eventuell, nochmal Wolf Biermann in meinen Café einzuladen. Wenn sich natürlich auch mal eine andere richtige Größe, sei es vielleicht auch Clueso oder Menschen, die sich jetzt wirklich für viel Vielfältigkeit und gegen Gewalt aussprechen, für uns interessieren, wäre das doch auch schön. Solche Leute hätte ich natürlich gerne mal und wenn auch nur als Café-Gast bei mir. Immerhin bin ich auch schon mal mit Heinz-Rudolf Kunze zusammen im Auto gefahren. Vielleicht verirrt er sich auch nochmal hierher. Ich glaube, schlussendlich gibt es immer viele gute kulturelle Angebote. Wir können aber auch vielen noch nicht so bekannten Künstlern immer wieder eine Bühne geben, die so viele tolle Sachen machen und ihnen eine Chance geben, populär zu werden und sie ein Stück weiter mit hinauszutragen in die Welt.
Hier kannst Du noch Wünsche an die Weißenfelserinnen & Weißenfelser äußern. Gäbe es da welche?
Seht Eure Stadt, Euer Umland, als vielfältige, bunte und sehr schöne Region und hört auf, Euch aufzugeben in Selbstgemecker, in Selbsterniedrigung. Schaut nach vorne und seht euch positiv. Und natürlich, wenn Ihr etwas Besonderes, etwa einen guten Kaffee trinken wollt: Bei uns bekommt Ihr immer positive Energien in unserem Café Marché 15, dem kleinen Café auf dem Markt.
Danke, liebe Karolin, für Deine Zeit und Dein Engagement.
Das Interview wurde geführt von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner