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In Teil 9 der großen Interviewreihe bekommt die Theaterpädagogin, Vernetzerin und Kulturaktivistin Rotraud Denecke aus Zeitz das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit über das TPZ Zeitz, das Ensemble KOLORIT, Kinder- und Jugendtheater, Herausforderungen und Lösungen, Musik und Wegzüge sowie Menschen, die heimkommen, um wieder mit Theater zu spielen.

Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

"Freude und Willen mitbringen. Das Wachsen geschieht."

über Rotraud Denecke

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Freude und Willen mitbringen. Das Wachsen geschieht.

Interview mit Rotraud Denecke

Guten Tag Rotraud Denecke. Im Jahr 2004 gründeten Sie, so las ich im Internet, das Theater – Pädagogische – Zentrum Zeitz in der KulturVilla Kolorit, kurz TPZ Zeitz. Welche Grundidee stand hinter der Gründung und wer war mit im Boot?

Das TPZ basierte auf einer Vereinsgründung von 1997, dem Triton eV. Dieser Begriff wiederrum kommt von Tritonus. Ursprünglich gedacht war das TPZ für die Aufführungspraxis seltener Musikwerke. Im Laufe der Zeit unserer professionellen künstlerischen Tätigkeiten sahen wir vermehrt die Bedarfe für Kinder -und Jugendarbeit im Bereich der kulturellen Bildung. Warum also nicht beides innerhalb des Vereins verbinden? Das Ensemble Kolorit hatte ja alle Verbindungen zu Musikern, Sängern, Schauspielern, Theater- und Tanzpädagogen. Im Juni zogen wir ein und eröffneten die Kulturvilla Kolorit mit TPZ und startete Beginn 2004 mit einer Kindertheatergruppe.

Mit im Boot sind Thomas Volk für die musikalischen Belange, Kerstin Arandt für Organisation, Werbung und SchauspielerInnen und meine Person als Gesangs- und Theaterpädagogin. Als Schauspielerin und Schauspieler rudern Ute Reintjes und Benjamin Butzke mit.

Wie hat sich das TPZ Zeitz denn in den letzten 22 Jahren verändert?

Neben den Konzertangeboten in der Villa kamen auch Kinder in ihrer Freizeit zum Theaterspielen. Aus den Kindern wurden Jugendliche und so wurde aus der Kindergruppe 2009 das Jugendtheater Karambolage. Da die Kindergruppe von Beginn an auch vor Kitas und Grundschulen ihre Stücke zeigte, kam immer wieder Nachwuchs zu uns ins TPZ . Das Kindertheater erhielt dann den Namen „Karambambinis“. Den Namen haben sich die Gruppenmitgliedern selbst ausgedacht. Nun hatten wir zwei Gruppen: eine Kindertheatergruppe und eine Jugendtheatergruppe.

Während der Arbeit mit den Kindern starteten wir 2007 den Versuch, auch erwachsene Laien für das Theaterspielen zu aktivieren. Musiktheater war inzwischen in Zeitz „ausgestorben“ und viele wussten nichts mehr damit anzufangen. Nur eine sehr kleine Gruppe von sieben Personen kam zusammen. Mit Hilfe von vier Gesangsstudenten der Martin Luther Universität und einer Regisseurin wurde das erste Musical auf die Bühne gebracht. Wie schon erwähnt, war das zu dieser Zeit in Zeitz sehr ungewöhnlich. Jedes Jahr wurde und wird mit MU-TH (Musik-Theater) ein Projekt auf die Bühne gebracht. Wir bekamen Zulauf in allen drei Gruppen. Wenn es auch durch Weggang, wegen Ausbildung oder privater Veränderungen bei den Theater-Laien Wechsel gab, so gab und gibt es ja auch immer einen beständigen Kern. Und schließlich ist es auch normal, dass besonders die Jugendlichen sich nach Abschluss der Schule örtlich verändern. Wobei man aber auch sagen kann: Viele kamen wieder, während des Studiums oder danach.

Im Laufe der 22 Jahre hat sich verändert, dass alle Gruppen sich der kulturellen Bildung verschrieben haben. Alle spielen mindestens einmal für Schulen oder Kitas, je nach Inhalten, und nehmen dafür auch FREI oder Urlaub. Die Kinder erhalten schulfrei. So entstand ein aktives Netztwerk zwischen den Schulen und Kindereinrichtungen. Auch werden externe Tanz- und Theaterpädagogen hin und wieder für Workshops eingeladen, um andere Vorgehensweisen als meine oder unsere kennenzulernen. Veränderung sehen wir darin, dass überhaupt offener mit Theater umgegangen wird. Wir arbeiten inklusiv und integrativ und Schulen nutzen sehr gern die Angebote. Durch Gastspiele der Gruppen außerhalb von Zeitz ist das TPZ Zeitz auch überregional bekannt geworden. Und somit auch die Stadt Zeitz. Auftritte hatte „MU-TH“ etwa in Magdeburg Moritzburg (Jubiläum des LanZe) und mehrfache Auftritte des Jugendtheaters in Detmold, hier auch 2025 zur Eröffnung der Europatage.

Im Moment kommen ins TPZ knapp 70 Laiendarsteller und leben ihre Freude am Theaterspielen aus, plus Helfer für Herstellung Bühnenbau und Requisiten.

Theaterpädagogik soll, mit dem Mittel des Theaterspiels, die Persönlichkeitsentwicklung fördern, soziale Kompetenzen stärken und zwischen Theater und Publikum vermitteln. Wie machen Sie das ganz konkret? Wie werden soziale Kompetenzen und die Persönlichkeitsentwicklung bei Ihnen konkret gestärkt?

Oberstes Gebot bei uns in den Theaterräumen und während der Proben ist Achtsamkeit. In den Theaterproben geht es sowieso sehr viel um Wahrnehmung, Achtsamkeit und Konzentration für eine Sache. Das wird von „klein an“ vermittelt und absolut geschult. Dazu gibt es Spiele und auch Übungen, die Freude vermitteln und auch das Selbstbewusstsein (zuerst unbemerkt) aufbauen. Die Darsteller erfahren, dass nicht mit „Richtig und Falsch“ bewertet wird, dass sie sich trauen dürfen und vor allem auch Fehler machen dürfen. Akzeptanz und Wertschätzung für die Ideen anderer werden dabei nachweisbar geschult. Was der eine in der Pantomime-Darstellung sieht, sieht ein anderer vielleicht als etwas anders.

Beobachten, Wahrnehmen oder Reflektieren wird so geübt und zur Selbstverständlichkeit. Besonders Proben-Inhalte und Verhalten während der Probe wird immer reflektiert, wobei auch die Leitung mit eingeschlossen ist. Es werden auch mal Coach-Stunden angeboten. Wer von den Erwachsenen mag, kann diese annehmen. Nach einiger Zeit melden sie sich dann oft von selbst für kleine Rollen oder sogar größere Aufgaben. Man kan also sagen: Die Darsteller werden möglichst da abgeholt, wo sie gerade sind.

Bei den Jüngsten und Jugendlichen kommen natürlich pädagogische Vorgehensweisen dazu, um Schüchternheit , Angst oder auch Egozentrik entgegenzuwirken. Aber auch bei den Kindern werden offene Reflektionsgespräche geübt.

Ihr Angebot, welches Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen hier nun schon seit über 20 Jahren zur Verfügung stellen, kann man auch als „weichen Standortfaktor“ verstehen. Menschen machen ihre Entscheidungen für Engagement und Aktivität ja auch vom Wohnumfeld abhängig. Werden Sie genug gefördert von Stadt und Land? Wo sind Förderungen ausbaufähig und wo sind sie angemessen?

Es kommen manchmal zugezogene Menschen zu uns, weil sie niveauvolle Freizeitgestaltung suchen. Oder Menschen, die wegen der Ausbildung aus Zeitz fort mussten, kommen wieder. So gibt es beispielsweise ein junges Paar, welches in Halle Lehramt studierte. Jetzt, nach dem Abschluss, arbeiten sie an Schulen in Zeitz und Umgebung. Sie kommen nun wieder regelmäßig zum Theaterspielen. Die junge Frau hat im Kindertheater angefangen und der junge Mann im Jugendtheater. Beide sind jetzt im generationsübergreifenden Musiktheater „MU-TH“ und sie erstellt sogar Choreographien für die Gruppe. Manche, die aus familiären Gründen aufgehört haben, sehen wir regelmäßg im Publikum.

Nun aber zur Frage: Von der Stadt Zeitz erhalten wir keine Förderungen. Abgesehen von Fördergeldern erscheint es uns eher so, dass die Stadt Zeitz eine andere Wahrnehmung auf die internen Institutionen hat und eher externe Projekte, die auch extern gefördert werden, größere Aufmerksamkeit schenkt. Vom Burgenlandkreis hingegen erhalten wir seit sieben Jahren institutionelle Förderung. Kinder und Jugendliche, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, können den monatlichen Beitrag von 15 Euro als „Teilhabe“ beim BLK beantragen.

Seit 1996 leiten Sie auch das international bekannte Musiktheaterensemble KOLORIT, mit Auftritten in den USA, in Kanada, Afrika, Rumänien. Können Sie uns ein bisschen etwas zu diesem Ensemble erzählen, bitte?

Gern, das Ensemble Kolorit feiert dieses Jahr im November 30-jähriges Bestehen. Kolorit ist eine GbR und dient dem Erwirtschaften unseres Lebensunterhalts als professionelle freischaffende Künstler. Thomas Volk (Pianist/ Dirigent) und meine Person (Sängerin Theaterpädagogin) leiten Kolorit. Kolorit ist unterwegs mit Kleinkunst. Wir entwickelten für uns die Form des Kabinettspiels, da wir deutschlandweit auftreten wollten. Deshalb musste alles so konzipiert werden, dass alles in ein Auto passt. Was uns auch gelang. Je nach Produktion engagierten wir zusätzlich Schauspieler oder Sänger auf Honorarbasis. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit manchen der Künstler und diese besteht bis heute. Eine fest angestellte Mitarbeiterin ist bis heute mit dem Management beauftragt. Die Einladungen ins Ausland erhielten wir von Goetheinstituten, Goethegesellschaften und anderen Institutionen, die uns an Aufführungsstätten vermittelten.

Es gab Zeiten, bis Corona, wo wie parallel unterwegs waren, ein Auto im Norden Deutschlands und das andere Auto im Süden. Kolorit weitete das Repertoire aus, um auch an Grundschulen und weiterbildenden Schulen auftreten zu können. Da gab es große Nachfragen. Kolorit finanziert sich selbst durch die Einnahmen. Die auf Honorarbasis engagierten Künstler hatten und haben keine Ausgaben durch das Engagement bei Kolorit.

Durch meine dreijährige Ausbildung zur Theaterpädagogin waren auch vermehrte Workshoptätigkeiten an Schulen und anderen Einrichtungen möglich, was noch einmal ein weites Tätigkeitsfeld öffnete: Theater AG Betreuung, Tages- oder Wochenprojekte usw. usf.

Das Tätigkeitsfeld umfasst Förderschulen bis Gymnasien/Berufsschulen, aber auch Zusammenarbeiten mit der Erwachsenenbildung, Weiterbildungseinrichtungen für integrative Maßnahmen, auch Behindertenbereiche und als Module für Patienten in psychologischen Einrichtungen. Durch dieses Management bei Kolorit war es möglich, das TPZ Triton e. V. mit den Freizeitgruppen aufzuziehen und auch zeitlich zu schaffen. Die Arbeit im TPZ ist jedoch ehrenamtlich. In der Coronazeit brach für Kolorit erstmal alles zusammen. Durch jahrelange gute Zusammenarbeit waren die Schulen dann aber tatsächlich wieder unsere ersten Kunden und halfen beim „Überleben.“ Die Lehrer wollten, dass für die Kinder und besonders mit den Kindern Theater vermittelt wird. Veranstaltungsorte, die wir tourneemässig bereisten, brachen jedoch erstmal weg. Leider sind viele unserer Kollegen in andere Berufszweige gewechselt, die ihnen erst einmal finanzielle Sicherheit boten, zum Beispiel Arbeit in Test- und Impfzentren, Integrations- Flüchtlingsheimen usw.

Kolorit verkleinerte sich so ungewollt personell. Auch gingen inzwischen drei Mitglieder in die wohlverdiente Rente. Ein Pianist und zwei Schauspieler. Die Arbeit an den Schulen nahm aber zu, sodass an große Tourneen sowieso nicht zu denken war. Die Kooperationen sind meist für ein Jahr und sogar darüber hinaus festgelegt. Das bedurfte kontinuierliche Arbeit. Langsam kamen aber auch wieder Auftrittstermine dazu, die wir zeitentsprechend annehmen und mit Freude genießen.

Als Theaterpädagogin sind Sie aber auch noch andersweitig aktiv, ich las unter anderem von Zusammenarbeiten mit dem Jeunesses Musicale NRW e.V. und diversen Organisationen in Sachsen-Anhalt. Was sind das denn für Projekte?

Als Theaterpädagogin bekommt man Anfragen für die verschiedensten Projekte und da ich frei arbeitende Theaterpädagogin bin, muss gut koordiniert werden.

Jeunesses Musicale NRW eV. sind Musikferien mit deutsch/französischen Kindern. Hauptthema ist die Begegnung durch gemeinsames Musizieren (hauptsächlich als Orchester), Theater und auch Freizeitaktivitäten. Für die Thematik Musiktheater wurde eine Theaterpädagogin benötigt und ich konnte den Part für dieses Projekt übernehmen. Dies ist aber nicht immer der Fall., da zusätzliche Themen auch wechseln. Hier etwa war einmal statt Theater Zirkus oder Film. Von der LKJ (Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt) wurde ich engagiert, um mit deutschen und vietnamesischen Jugendlichen ein Theaterstück zu kreieren. Das waren wirklich spannende Herausforderungen, allein schon durch die Sprachbarrieren.

In Zeitz gibt es deutsch-japanische Schüleraustausche mit der Partnerstadt Tosu. Mit diesen Jugendlichen (dt/jap. gemischt) arbeite ich seit Jahren dann in Zeitz vor Ort und organisiere Workshops. Für die Friedrich Ebert Stiftung 2025 in Zeitz arbeitete ich am Thema „Stadttheater“ (Wie sehe ich meine Stadt, wer bin ich - in dieser Stadt?)

Vom Landeszentrum Freie Theater (LanZe) gibt es das Projekt KLaTSch – Kulturelles Lernen an Theater und Schule. Kolorit ist für drei Jahre an zwei Schulen Kooperationspartner. Hier leisten wir kontinuierliche Theaterarbeit über das gesamte Schuljahr. Zusammenarbeit mit Behindertenbeauftragten und Teilhabe des Burgenlandkreises agieren wir auch jedes Jahr zum Aktionsmonat für Menschen mit Beeinträchtigungen. Gewaltprävention betreiben wir an Sekundarschulen. Hier ist der Auftraggeber das Jugendamt Saalekreis. Ein Team von vier bis fünf unterschiedlichen Fachkräften geht eine Woche an eine Schule und arbeitet dort mit den Kindern und Jugendlichen. (Theater, Tanz, Zirkus, Film, Trommeln und Sozialkompetenz). Das TPZ Triton ist Mitglied im BUT (Bundesverband Theaterpädagogik eV.)

Zurück zum TPZ Zeitz. Wohin soll sich das TPZ denn in den nächsten Jahren entwickeln?

Das ist tatsächlich schwierig zu beantworten. Wünschenswert wäre es, wenn die Stadt so eine Möglichkeit oder Institution schaffen würde und eine Fachperson diese Arbeit (möglichst bezahlt) weiter machen könnte. Wir streben eine Zusammenarbeit mit der Musikschule an und sehen da noch viel mehr Möglichkeiten. Das TPZ will sich weiterhin engagieren und weiterhin offen sein für lokale Anlässe Verbindungen zu schaffen. Gerade auch in der Vernetzung und kulturellen Bildung.

Zurzeit ist in Vorbereitung zum 325. Geburtstag Anna Magdalena Bachs ein Konzert mit Szenen über das Leben der großen Sophranistin. Da sie gebürtige Zeitzerin war und zweite Ehefrau des Johann Sebastian Bach, griffen wir das Thema auf und entwickelten nach einem musikwissenschaftlichen Buch Szenen. Die Musikschule gibt Musik-Beiträge. Es wird eine Vorstellung für Schulen geben und eine öffentliche Vorstellung. Es wird auch ein Gastspiel in der Partnerstadt Detmold geben.

Sie haben Gesang an der HMT „Felix-Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig studiert. Jazz? (Meine gute Bekannte Pascal von Wroblewsky lehrt dort ja auch.) Was haben Sie denn dort ganz konkret bei wem erlernt?

Ich habe klassischen Gesang studiert. Mein großer Wunsch war es auf einer Theaterbühne zu singen. Dieses Ziel habe ich mir erfüllt. Die Ausbildung war sehr gut … und ist bei mir auch schon viele Jahre her. (schmunzelt) Das war damals vier Jahre Grundstudium und drei Jahre Aufbau-Studium zur Solistin. Jazz wählte ich zur Musikgeschichtsprüfung als zweites Thema, da ich Jazz liebe. Als Gesangsdozenten bildeten mich Herr Prof. Büttner und Frau Nowack aus. Herr Büttner ist leider schon verstorben. Es gab Grundlagenunterricht Ballett, das empfinde ich bis heute als sehr hilfreich. Beim Musikgeschichtsdozenten erinnere ich mich noch an den Namen: Eitelfriedrich Thom. Er leitete sehr lange die Musik- und Forschungsstätte Kloster Michaelstein. Ich fand zu meiner Zeit das Studium spannend und sehr vielseitig.

Ich liebe viele Musikrichtungen, besonders … richtig gute Rockmusik. Mit einer klassischen Gesangsausbildung hat man viele Möglichkeiten, sich gesanglich auszuprobieren. Ich liebe es, neben klassischer Literatur auch Chansons zu singen und Musical.

Sie waren einst ein Schwarwaldmädel, zwirtscherte mir ein Vögelchen? Wo denn, wann denn und warum nicht mehr?
Ich spielte die Rolle des Schwarzwaldmädels schon am Zeitzer Stadttheater und auf Tourneen durch Süddeutschland. Einige Jahre später, während meiner freischaffenden Tätigkeit mit Kolorit, erfuhr ich, dass für die Hauptrolle „Schwarzwaldmädel“ am Theater Plauen eine Schwangerschaftsvertretung gesucht wurde. So bewarb ich mich und bekam einen Termin zum Vorsingen. Ich sang vor und bekam die Partie. Mir war es ganz recht, dass es für eine begrenzte Zeit war, da Kolorit sich gerade sehr gut entwickelte. Durch längere Abwesenheit wäre dort alles stagniert. Das wollte ich nicht. Ein festes Engagement strebte ich nicht an. Gastspielvertrag war ok. Ich habe inzwischen diese Freiheit, JA oder NEIN sagen zu können ,schon sehr genossen.
Ich durfte in den 00er-Jahren oft im Muggefuck in Zeitz auftreten, das war damals ein äußerst rühriger Independent-Verein mit viel Musik und Literatur. Was sollten kulturinteressierte Gäste denn heute in Zeitz dringend besuchen und kennenlernen?
Das „Muggefuck“ besuchte ich auch als Zuschauerin. Vielleicht trafen wir uns sogar und wussten nicht voneinander. Es war gemütlich und total cool, was dort geboten wurde. Zeitz hat schon Verschiedenes und darunter auch sehr Gutes zu bieten. Ich denke da beispielweise an: Ausstellungen im Museum - es gibt immer interessante Sonderausstellungen im Schloss Moritzburg. Im Dom und in der Kirche finden sehr oft hochqualitative Konzerte statt. Im Capitol werden Gastspiele angeboten von Cabarett bis Neujahrskonzert. Interessant ist auch das Industriemuseum Herrmannsschacht und die Szeneinstitution Alte Bibliothek … und natürlich unsere Kulturvilla Kolorit und das TPZ Zeitz.
Karambolage erwähnten Sie ja schon und auch die Karambambini. Wie können junge Menschen aber mitmachen? Gibt es Auswahlverfahren? Wie läuft das ab? Ich kann mit beispielsweise keine Texte merken, muss deshalb immer vorlesen. Was müssen die jungen Menschen können und wie entscheidet wer darüber, dass sie teilhaben können?

Es gibt kein Auswahlverfahren, keine Auditions. Es kann jeder Mensch in das Theater-Pädagogische Zentrum kommen und nach seinen Möglichkeiten mitmachen. Das prozessorientierte Arbeiten mit den Teilnehmern garantiert Wachstum. Wenn beispielsweise jemand schlecht Texte lernt, werden von pädagogischer Seite aus Übungen kreiert, die während der Proben angewandt werden, die es dem Darsteller ermöglichen, sich leichter Texte zu merken. Manchmal bemerken sie es gar nicht, weil es auf spielerische, abwechslungsreiche Art trainiert wird. Ohne Druck. Die jungen Menschen müssen nur Freude und Willen mitbringen für das Theaterspielen. Das Wachsen passiert.

Ich vergleiche es gern mit einem Garten voller Blumen. Manche Blumen wachsen schnell und kräftig, manche sind schwach, vielleicht gekrümmt und brauchen nur eine Stütze. Wir achten darauf, dass gut gewässert wird, manche benötigen Dünger oder müssen etwas mehr abgestützt werden. Manchmal kann sich eine schwächere Blume an einer starken Blume stützen, ohne Hilfe von außen. Da ich Blumen liebe, mag ich diesen Vergleich. Es ist nicht immer leicht, aber wir bemühen uns sehr den Stand der Kinder und Jugendlichen zu erkennen. Das geschieht durch spielerische Übungen. Wir arbeiten mit Improvisation, damit die Kinder ins Spielen kommen. Bei Gruppenarbeiten wird immer so gemischt, dass erfahrenere Spieler mit den Unerfahrenen zusammenarbeiten und Impulse ausgetauscht werden können, miteinander und voneinander lernen. Also, sie müssen nichts Bestimmtes können.

Am 26. und 27. September feiern Sie Ihr großes Theaterfest. Woruf können wir uns denn alle freuen?
Wir möchten das sogenannte Reallabor, ehemals ZEKIWA, ausprobieren und das Fest dort gestalten. Die Gruppen werden sich dort präsentieren, Tombola wird es geben und Theater-Utensilien werden ausgestellt. Kaffee und Kuchen wird es ebenfalls geben.
Welche Herausforderungen stellen sich für Sie dadurch, dass Sie in Zeitz ihren künstlerischen Mittelpunkt haben? Und wie gehen Sie damit um?
Zeitz ist eine Kleinstadt mit großer Abwanderung nach der Wende. Die Ressourcen sind limitiert. Wenn wir Gastdozenten oder Gastkünstler einladen wollen, müssen wir außerhalb von Zeitz suchen. Für unsere Musicalprojekte arbeiten wir gern mit Amateurmusikern für das Orchester zur Begleitung der Amateurdarsteller zusammen. Leider müssen wir auch da auf Liebhaber-Musiker aus Thüringen zurückgreifen, da dort die Amateurmusiker-Szene-Vernetzung viel besser funktioniert. Wir halten seit Jahren vergeblich Ausschau in Zeitz.
Dann danken wir Ihnen, liebe Frau Denecke, für Ihr Engagement und Ihre Antworten und wünschen uns allen einen zivilisatorischen und kulturell bereichernden Umgang miteiander.
Das Interview wurde geführt von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner
© Foto(s): Thomas Volk, privat