In Teil 7 der großen Interviewreihe bekommt der Kirsten Reichert, Chefin im Erholungspark Mondsee bei Hohenmölsen, das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr über die vielfältigen Erholungs- und Aktivitäten-Angebote, Zukünftiges, ihren eigenen Weg zum See und gesellschaftliche Zusammenhänge und Vorstellungen, unsere Region sichtbarer zu machen.
Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

über Kirsten Reichert
Werdegang
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Weiteres
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Der Fantasie sind bei uns keine Grenzen gesetzt.
Interview mit Kirsten Reichert
Guten Tag Kirsten Reichert. Sie sind die Geschäftsführerin im Erholungspark Mondsee bei Hohenmölsen, einem wundervollen Flecken in unserem wundervollen Burgenlandkreis, der auch überregional gern besucht wird. Schön, dass wir miteinander sprechen können.
Den Erholungspark gibt es seit 1992. Das Gelände umfasst insgesamt 122 Hektar. Unser Campingplatz hat 350 Stellplätze. Für Tagesgäste stehen ausreichend Liegewiesen und Strand zur Verfügung. Zu Veranstaltungen wie dem Cat & Cow Yogafestival haben wir mehr als 2.000 Gäste auf dem Campingplatz. An heißen Tagen, wie dem gerade erlebten Wochenende, kommen dann schnell noch 1.000 Badegäste hinzu. Das stellt unsere Reinigungskräfte, Hausmeister und Bademeister oft vor große Herausforderungen.
Der Erholungspark Mondsee ist ein Beispiel für die gelungene Transformation der Bergbauregion. Was können heutige Planerinnen und Planer von Ihnen lernen? Gerade ist ja der Ausstieg aus der Kohle ein großes Thema …
Mittlerweile ist der Erholungspark Mondsee nicht nur für die ortsansässige Bevölkerung ein attraktiven Ausflugsziel. Das ist vor allem der ansprechenden Gestaltung des Areals zu verdanken.
Wer war denn hier involviert?
Für die Gesatltung des Areals ist der Zweckverband in Zusammenarbeit mit der MIBRAG verantwortlich. Nach wie vor unterstützt die MIBRAG bei Fragen der Forstwirtschaft und dem Waldnutzungskonzept, um den Naturraum um den Mondsee in seiner vollen Schönheit zu erhalten. Ich denke, dass gerade dies ausschlaggebend ist: attraktive Angebote schaffen, die Einheimischen im Fokus behalten, die Menschen auch überregional mitdenken. Überregionale Werbung dafür machen wir vornehmlich über unsere Internetseite und soziale Medien wie Facebook oder Instagram.
Gab es Hindernisse bei der Umgestaltung des Tagebaurestlochs zum Mondsee? Welche waren dies und wie wurde damit umgegangen?
Aus Erzählungen weiß ich, dass beispielsweise die Wahl des Sandes anfangs problematisch war. So wurde die erste Fuhre förmlich vom Winde verweht.
Im Tagebau haben ja auch Menschen gearbeitet, ihre Identität hergeholt aus der Tätigkeit in der Kohle. Gibt es heute noch Verweise auf diese Zeit, Erinnerungen? Ich denke ja, dass jeder Erfolg immer nur auf dem Boden wachsen kann, der von anderen Menschen beackert wurde und dass diese Menschen Respekt erwarten dürfen. Wissen Sie, was ich meine?
Wir haben mit den Wandelgängen im Eingangsbereich unseres Parks schöne Orte der Erinnerungskultur geschaffen. Initiierst von der Kulturstiftung Hohenmölsen erinnern die Wandelgänge an die durch die Tagebaue Pirkau und Profen umgesiedelten Dörfer. Sie sind den Menschen gewidmet, die aufgrund der Braunkohleförderung ihr angestammtes Zuhause verlassen musste. Viele davon leiden noch immer unter dem Verlust der alten Heimat. Sie sollen aber auch den nachfolgenden Generationen Mut machen, die Wendungen und Veränderungen in ihren Leben als Herausforderung und Chance zu begreifen und anzunehmen.
Wie sind denn die Tendenzen in der Wohnnähe? Bringt der Erholungspark Zuzug? Was kann noch getan werden, um dem demografischen Wandel im Burgenlandkreis entgegen zu wirken?
Der Erholungspark selbst ist sicher nicht der entscheidende Faktor für junge Familien, in die Region zu ziehen, wird aber sicher als positiver Nebeneffekt für die Freizeitgestaltung gesehen. Es besteht noch vor allem Bedarf im Ausbau attraktiver Jobangebote, was meiner Meinung nach insbesondere durch die Ansiedlung von Industrie erreicht werden kann.
Es müssen im gesamten Revier die angrenzenden Gemeinden eng zusammenarbeiten, um mit dem Kohleausstieg einen erfolgreichen Strukturwandel und keinen neuen Strukturbruch zu erreichen.
Es müssen im gesamten Revier die angrenzenden Gemeinden eng zusammenarbeiten, um mit dem Kohleausstieg einen erfolgreichen Strukturwandel und keinen neuen Strukturbruch zu erreichen.
Ihr Gelände ist Erholungs-El Dorado mit immens vielen Angeboten im und am Wasser. Können Sie uns zu den Angeboten am Wasser ein bisschen etwas erzählen bitte?
Das Ministerium für Abenteuer ist ein wichtiger Partner für uns, um gerade für Schulklassen und Familien den Aufenthalt spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Ministerium lässt vermuten, dass es sich hier um eine öffentliche Behörde handelt. Es steckt aber ein privates Unternehmen dahinter, wo der Inhaber mit viel Liebe und Engagement Kindern, auch aus sozial benachteiligten Familien, eine schöne Zeit bei uns am See ermöglicht. Hier können sich die Kids auf dem SUP-Board ausprobieren, Drachenboot fahren oder auch am Strand das ein oder andere interaktive Gruppenspiel erleben.
Seit diesem Jahr haben wir auch endlich eine Sauna am Mondsee. Das ist dann etwas für diejenigen, die nach Wellness und Entspannung suchen. Sie sehen, es ist für jeden was dabei.
Seit diesem Jahr haben wir auch endlich eine Sauna am Mondsee. Das ist dann etwas für diejenigen, die nach Wellness und Entspannung suchen. Sie sehen, es ist für jeden was dabei.
Und direkt im Wasser?
Der Fantasie sind da (wie schon angedeutet) keine Grenzen gesetzt. Viele unserer Gäste erkunden den See auf einem SUP. Und natürlich ist unsere Großrutsche nicht nur für unsere kleinen Besucher ein riesen Spaß. Auch der Mondseesportclub e.V. nutzt wöchentlich den See für sein Drachenboottraining.
Auf Ihrem Gelände gibt es auch faszinierende Events, gerade im August können Reggae- und Ska-Fans beim Walterra-Festival gemeinsam feiern. Wie wird solch ein Festival organisiert? Sind hier Externe mit im Boot? Und wer wird uns auf der Bühne erfreuen?
Das Reggae-Festival, wie auch das Yoga-Festival werden über einen externen Veranstalter organisiert. Wir stellen lediglich die Fläche zur Verfügung. Das Programm und noch mehr zum Reggae-Festival findet man unter: walterra.de

Reggae-Festival im Erholungspark Mondsee
Daneben ist im August auch Strandfest angesagt, aber auch, wie ich las, ein Enduro Fahrerlager. Was ist das denn? Enduro-Knattern für Fans? Wer trifft sich denn hier und was machen die bei Ihnen?
Die Enduro-Fahrer machen den Tagebau um die Ecke unsicher und nutzen den Erholungspark nur zur Übernachtung. Das ist auch besser für unsere Wiesen (schmunzelt).
Und zum Strandfest: Das feiern wir traditionell am ersten Samstag im August. Auch Neptun wird wieder mit dabei sein. Bleibt nur auf gutes Wetter zu hoffen, damit wir mit unseren Gästen aus Nah und Fern unseren schönen Mondsee feiern können.
Und zum Strandfest: Das feiern wir traditionell am ersten Samstag im August. Auch Neptun wird wieder mit dabei sein. Bleibt nur auf gutes Wetter zu hoffen, damit wir mit unseren Gästen aus Nah und Fern unseren schönen Mondsee feiern können.
Ich wandere gern. Kann ich den See umrunden auf normalen Wegen oder ist irgendwo der Zugang versperrt? In Krakow am See kam ich leider kaum noch zum See. Und wie viele Kilometer erwarten mich denn?
Man kann den Mondsee in einer kleinen Runde von knapp vier Kilometern oder in einer etwas längeren von circa sechs Kilometern auf richtigen Wanderwegen umrunden. Mit etwas Glück findet man hier seltene Orchideensorten und kann die üppige Flora und Fauna genießen.
Sie selbst, liebe Kirsten Reichert, sind ja nicht seit Kindestagen Chefin eines Erholungsparks. Was haben Sie denn alles schon gemacht, bevor Sie hier in der Nähe von Hohenmölsen das Zepter übernahmen?
Bevor ich im April 2024 zum Mondsee kam, habe ich bei den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatsstifts Zeitz mit Hauptsitz in Naumburg gearbeitet. Meine Aufgabe war es da, den Besucherservice an allen drei Standorten zu leiten. Dadurch konnte ich schon viele Erfahrungen im Bereich Tourismus sammeln, obwohl die Camper nochmal eine ganz andere Zielgruppe sind als Dombesucher (schmunzelt wieder).
Solch ein Erholungspark ist ja auch ein wirtschaftliches Unternehmen. Nun steigen die Energiepreise, der Mindestlohn wird ebenfalls derzeit ständig erhöht, Zulieferer müssen ihre Kosten umlegen, etcpp … Wie deckeln Sie Ihre Kostensteigerungen? Welche Stellschrauben haben Sie?
Auch wir mussten in diesem Jahr unsere Preise erhöhen, um die zunehmenden Betriebskosten weiterhin deckeln zu können. Das tut uns leid, war jedoch unumgänglich.
Von wie vielen Mitarbeitenden bei Ihnen reden wir denn eigentlich?
Wir sind insgesamt sieben Festangestellte, zwei Minijobber und werden im Sommer noch durch einige Saisonkräfte für den Strandbadbetrieb unterstützt.
Wenn ich Ihnen nachsurfe, finde ich Laufevents, auch mit Ihrem Team. Wieso „Laufen“? Was steckt dahinter?
Team ist in diesem Zusammenhang wirklich zu viel gesagt… Ich persönlich bin Triathletin und demzufolge auch dem Laufsport verfallen. Als Team Mondsee melde ich mich oft bei regionalen Veranstaltungen als Werbung an.

Baden im Erholungspark Mondsee - mit Wasserrutsche
Und an welchen Stellschrauben kann die Politik, die Gesellschaft, die hiesige Wirtschaft und die Kulturszene drehen, um den Burgenlandkreis weiter nach vorn zu bringen, ihm positive Aufmerksamkeit zukommen zu lassen?
Das ist jetzt eine schwerwiegende Frage… Ich denke, wichtig sind für die Leute Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Kinderbetreuung, Bildungschancen, gut bezahlte Jobs, gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Touristische Angebote wie unser Erholungspark oder auch Kulturangebote sind da nur ein kleiner Teil im Gesamtgefüge.
Gerade wirtschaftliche Unternehmen brauchen eine zukunftssichere Strategie. Welche ist die Ihre? Was können wir Erholungsbedürftigen in den nächsten Jahren von Ihnen noch erwarten?
Wir versuchen, unsere Angebote auszuweiten. Ein erster Schritt ist, dass wir dieses Jahr erstmals auch Wintercamping anbieten. Die neue Sauna am Mondsee ist da natürlich eine schöne Ergänzung. Aber natürlich müssen wir auch kontinuierlich in die Infrastruktur investieren, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. So bekommen wir beispielsweise im Herbst einen neuen hochmodernen Sanitärkomplex, der deutlich größer ist als unsere bisher genutzten Mietcontainer. Die Ausschreibung startet zeitnah, weshalb die Details bisher noch nicht konkret feststehen.
Danke, Frau Reichert, für Ihr Engagement für unsere Region und Danke für Ihre Zeit, unser Interview zu beantworten.
Das Interview wurde geführt von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner
© Foto(s): Matthias Krüger (Kirsten Reichert), darunter Erholungspark Mondsee