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In Teil 6 der großen Interviewreihe bekommt die Museumsleiterin und Zweite Stiftungsvorständin des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben Andrea Knopik das Wort. KUMBRA-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr über die beeindruckende Historie des Ortes, Benediktinermönche, Engagement und Spiritualität sowie Angebote an alle Menschen, im Kloster und der Kaiserpfalz Memleben Kraft zu tanken.

Der Burgenlandkreis ist bevölkert von vielen Menschen, welche ihr Umfeld, ihre Heimat, mitgestalten. Denen, die gerade im kulturellen Sektor aktiv sind, möchte diese Interviewserie von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner mehr Sichtbarkeit verschaffen.

"Das Herz des Kaisers Otto der Große wurde in Memleben bestattet"

über Andrea Knopik

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Das Herz des Kaisers Otto der Große wurde in Memleben bestattet

Interview mit Andrea Knopik

Guten Tag, Frau Knopik. Sie sind die Leiterin des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben. Die Ursprünge des Ortes Memleben gehen bis ins 8. Jahrhundert zurück, urkundlich wurde „Mimelebo“ damals erstmals erwähnt. Geschichtsträchtiger Boden also. Mit was für Fragen treten Interessierte denn an Sie heran?
Wir befinden uns hier tatsächlich auf einem alten Kulturland. Im 8. Jahrhundert wird Memleben erstmalig urkundlich erwähnt. Archäologische Forschungen haben jedoch in den letzten Jahren Besiedlungsspuren aus über 5.000! Jahren zu Tage befördert. Genau diese neuesten Forschungen sind immer wieder von großem Interesse für unsere Gäste. Sie wollen gern wissen, wo sich die Pfalzanlage genau befunden hat und wo denn das Herz Kaiser Ottos bestattet wurde. Hier kann ich den aktuellen Forschungsstand darlegen und auf weitere Untersuchungen in Zukunft warten und hoffen. Natürlich sind auch viele Klosterbesucher neugierig, wie die Mönche im Mittelalter hier in Gemeinschaft lebten und wie sich die Selbstversorgung gestaltet hat.
Womit wir schon mittendrin im Klosterleben sind. Für Menschen von außerhalb: Wie gestaltet sich denn das Leben im Kloster Memleben so?

Die Benediktinermönche, die im Kloster Memleben bis Mitte des 16. Jahrhunderts lebten, richteten ihren Alltag nach einem strengen Regelwerk aus: „Ora et labora et lege“ bedeutet „Bete und arbeite und lies“. Dies waren die strukturgebenden Elemente im Tagesrhythmus. Zu acht gemeinsamen Gebeten versammelte man sich in der Klosterkirche, arbeitete, um sich selbst zu versorgen und studierte religiöse Schriften. Dieses klösterliche Leben währte hier in Memleben fast 600 Jahre. Seit 15 Jahren kehrt jeden Sommer für eine Woche benediktinischer Geist ins Kloster zurück. Junge Mönche aus der fränkischen Abtei Münsterschwarzach besuchen in der ersten Augustwoche Memleben. Sie führen durch die Klosteranlage, berichten von ihrem Alltag als Benediktiner in einer modernen Welt. Gesprächskreise, gemeinsame Mahlzeiten und natürlich das gemeinsame regelmäßige Gebet ermöglichen es Interessierten, in Kontakt mit heutigem Klosterleben zu kommen. Der Besuch der Benediktinermönche ist für unser Klosterteam eine ganz besondere Zeit. Es rührt uns zutiefst, dass nach fast 500 Jahren wieder regelmäßig benediktinische Spiritualität in den historischen Mauern Einzug findet.

Die restlichen 51 Wochen im Jahr kümmern wir uns hier im Kloster Memleben mit viel Engagement und Hingabe um das historische Erbe, welches uns anvertraut ist. Das Denkmalensemble und die zugehörige große Gartenanlage werden gepflegt, Veranstaltungen geplant und durchgeführt. Wir begrüßen viele Gruppen, denen wir mit Themenführungen die Geschichte und Bedeutung des Ortes näherbringen. Zudem besuchen uns zahlreiche Schulklassen, die wir mit einem besonderen ganztägigen museumspädagogischen Angebot im „Lebendigen Kloster Memleben“ betreuen. Über den alltäglichen Museumsbetrieb hinaus entwickeln wir Ideen, Projekte und Konzepte, um diesen Ort auch in Zukunft noch attraktiver zu gestalten und für viele nachfolgende Generationen zu erhalten und zu öffnen.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Sie haben sogar einen Nachhaltigkeitskompass im Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben erstellt und veröffentlicht. Können Sie uns zu den Inhalten des Nachhaltigkeitskompasses etwas sagen und warum es diesen braucht?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Modebegriff, sondern eine Besinnung auf letztendlich klösterliche Werte. Sparsamkeit und Verzicht von Verschwendung sind uns als Stiftung mit begrenzten Ressourcen wichtig. So vermeiden wir in der Planung von Ausstellungen kurzlebige Elemente und setzten hier auf langfristig nutzbare Inhalte und Installationen. Zudem stärken wir den regionalen Wirtschaftskreislauf durch die bewusste Zusammenarbeit mit Partnern und Produzenten aus der Region. Der Klostergarten wird ausschließlich mit Regenwasser bewässert. Wir verwenden bei Baumaßnahmen alte Materialien wieder neu. Dies ist ökonomisch wie ökologisch sinnvoll und hat eine sehr lange Tradition in Memleben. Denn tatsächlich wurden zahlreiche Steine der beiden Klosterkirchen für den Neubau von Gebäuden in Mittelalter und Früher Neuzeit verwendet.

Mit dem Nachhaltigkeitskompass haben wir auf eine Initiative des regionalen Tourismusverbandes Saale-Unstrut-Tourismus reagiert, der auf einen langfristigen Wandel des regionalen Tourismus zu mehr Bewusstsein im Umgang mit unseren Ressourcen hinarbeitet. Dabei haben wir kritisch unsere eigene Ausstattung und den Umgang mit Materialien geprüft. Das war sehr erhellend, denn in vielen Bereichen haben wir bereits nachhaltige Lösungen bevorzugt und eingesetzt. Und es hat uns für zukünftige Entscheidungen sensibilisiert.

Welches sind die wichtigsten historischen Eckpfeiler des Ortes Kloster und Kaiserpfalz Memleben? Kaiserpfalz bedeutet ja auch, dass hier ein Kaiser gewesen sein muss …
Ja, in Memleben haben sich gleich mehrere Könige und Kaiser aufgehalten. Dokumentiert wurde ein erster herrschaftlicher Aufenthalt im Jahre 936 durch ein besonderes Ereignis: König Heinrich I. verstirbt in Memleben. Sein Sohn und Nachfolger Otto I., vielen auch als Otto der Große bekannt, war zu diesem Zeitpunkt auch zugegen. Kaiser Otto hielt sich mehrmalig in Memleben auf und verstarb ebenso wie sein Vater 973 in Memleben. Seine letzte Ruhe fand er im Dom zu Magdeburg, aber bevor er auf seine letzte Reise ging, wurden in Memleben sein Herz und seine Eingeweide am Sterbeort bestattet. Das machte Memleben zu einem außergewöhnlich bedeutsamen Ort für die Herrscherfamilie. Otto II. stiftete mit seiner Gattin Theophanu das Benediktinerkloster mit einem klaren Auftrag an die Mönche – sie sollten für das Seelenheil der verstorbenen Vorfahren beten. Das Kloster wurde wirtschaftlich reich ausgestattet und durch den Status eines Reichsklosters die Nähe zur Herrscherfamilie bekräftigt. Leider hielt diese Blütezeit Memlebens nur für knapp 40 Jahre an. Dann enthebt Kaiser Heinrich II. das Kloster seiner Sonderrechte und unterstellt es 1015 als Propstei der Abtei in Hersfeld. Das klösterliche Leben blieb aber für über 500 Jahre weiter bestehen und war sehr prägend für die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften.
Ein Überfall auf das Kloster im Zusammenhang mit den Bauernunruhen 1525 läutete den Niedergang des Klosters ein, welches endgültig 1548 aufgelöst wurde. Danach fand landwirtschaftliche Umnutzung seinen Platz im ehemaligen Klostergut.
Wenn Interessierte nach Memleben kommen, um das Museum Kloster und Kaiserpfalz zu besuchen, was können Sie bei Ihnen erfahren?

Ich empfehle sehr, eine persönliche Führung zu besuchen, die in der Saison von Mitte März bis Ende Oktober montags, mittwochs und am Samstag jeweils 11:30 Uhr stattfinden. Hier bekommt man innerhalb einer Stunde eine spannende Zeitreise präsentiert. Beeindruckend sind die Überreste zweier Klosterkirchen, die entweder mit bloßem Auge betrachtet werden können oder mithilfe moderner AR-Technologie neu entdeckt werden können – gut geeignet für Wiederholungsbesucher, weil so neue Blicke ermöglicht werden.

Im ehemaligen Wohnbereich der Mönche sind Ausstellungen untergebracht, die modern und interaktiv die Geschichte des Klosters, den Herrschertod, mittelalterliches Klosterleben mit Schreibstube und archäologische Forschung präsentieren. Eigentlich kann man einen ganzen Tag im Kloster Memleben verbringen und hat immer noch nicht alles gesehen und erforscht.
Mein persönlicher Lieblingsort ist die spätromanische Krypta. Obwohl ich sie so oft schon besucht habe, verliert sie nie an Strahlkraft. Dieser Raum ist mein Kraftort im Kloster und niemand sollte das Kloster besucht haben, ohne hier gewesen zu sein.

Das können Sie aber ja nicht alles allein bewerkstelligen. Können Sie uns bitte etwas zu Ihrem Team sagen?
Wir sind vor Ort nur ein kleines Team von sieben Festangestellten inklusive Hausmeister und Gärtner, die größtenteils in Teilzeit arbeiten. Außerdem haben wir eine wissenschaftliche Volontärin und eine junge Frau, die ihr Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege bei uns absolviert. Außerdem werden wir in der Verwaltung vom Landkreis unterstützt und erhalten pädagogische Hilfe von einer Geschichtslehrerin.
Neben der Stiftung, für die Sie arbeiten, gibt es auch einen Förderverein. Woher kommen die dort Aktiven? Wer engagiert sich hier?

Der gemeinnützige Förderverein Kloster und Kaiserpfalz Memleben e.V. engagiert sich seit über 25 Jahren für den Erhalt und die Pflege der historischen Bausubstanz des Klosters und der Kaiserpfalz Memleben. Der Verein besteht aus über 40 Mitgliedern, die das Interesse an der ottonischen Geschichte und der Pflege dieses national bedeutenden Denkmals eint. Viele Mitglieder stammen aus dem direkten Umfeld Memlebens.

Sie unterstützen die Stiftung Kloster und Kaiserpfalz Memleben und beteiligen sich aktiv an öffentlichen Veranstaltungen. Zudem bieten sie im Jahresverlauf eine geführte Tageswanderung mit historischem Hintergrund und eine Busexkursion zu geschichtsträchtigen Orten an. Seit einigen Jahren ist der Verein auch Herausgeber einer wissenschaftlichen Aufsatzsammlung zu neuester Forschung rund um Memleben, den „Memlebener Heften“. Unser Förderverein wirbt um neue Mitglieder, um auch zukünftig diesen Aufgaben nachkommen zu können.

Die Benediktiner bieten einen ganz besonderen Zugang zur Spiritualität bei Ihnen. Was unterscheidet die benediktinische Spiritualität von der allgemein gelesenen Spiritualität?
Die benediktinische Spiritualität ist zutiefst im christlichen Glauben verwurzelt. Sie betont die gemeinschaftliche Organisation des Lebens, um Glauben zu voller Entfaltung zu bringen. Dabei wird ein einfacher Lebensstil ohne individuellen Besitz gewählt. Klare Regeln, Reduktion von Entscheidungen und verlässliche Wiederholungen vereinfachen den Alltag, sodass mehr Aufmerksamkeit auf die Beziehung zu Gott gelenkt werden kann. Auch die klösterliche Gelehrsamkeit spielt eine entscheidende Rolle im benediktinischen Lebensmodell. Bei meinen persönlichen Begegnungen mit einzelnen Brüdern aus benediktinischen Klöstern hat mich besonders diese tiefe innere Ruhe beeindruckt, die sie auf ihrem Weg zu tragen scheint.
Es gibt auch Veranstaltungen bei Ihnen. Was für welche denn und wie ist die Resonanz?
Neben wöchentlichen kleinen Veranstaltungen wie Führungsangeboten gibt es auch größere Angebote. Besonders möchte ich hier den Herbstmarkt erwähnen, der alle zwei Jahre stattfindet. In diesem Jahr allerdings wird es erstmalig ein Chorfestival geben, welches am 19. September ganztägig zahlreiche Chöre nach Memleben bringt und unseren Besuchern durchgängig Chormusik aus verschiedenen Epochen an verschiedenen Orten bietet. Es wird sicher toll, ich bin schon sehr gespannt.
Und wie sind Sie, liebe Frau Knopik, eigentlich nach Memleben gekommen?
Oh, ich stamme aus Erfurt, habe als Kind in Eckartsberga gelebt und mein Abitur in Schulpforte absolviert. Dort wurde ich von den alten Mauern infiziert und entschied mich, Kunstgeschichte zu studieren. Tja, nach dem Studium in Leipzig und mit Familie zog es mich in die Heimat zurück und eins führte zum anderen. Inzwischen bin ich seit 2007 hier und gehöre auch schon fast zum Inventar. Es wird nie langweilig und gibt immer neue Herausforderungen.
Es gibt auch, gerade für Kinder, museumspädagogische Angebote. Wie muss ich mir das vorstellen? Frontalunterricht wird es ja ganz bestimmt nicht sein …
An diesem Ort in Memleben sind wir von Frontalunterricht ganz weit weg. Sowohl in der Museumspädagogik als auch bei unseren Führungen ist alles aufs Mitmachen, Erleben und Erspüren ausgerichtet. Schüler dürfen den Ort aktiv erkunden, sich verkleiden, einen Abt wählen, Urkunden schreiben und Steine bearbeiten. Hat man das Tagesprogramm erlebt, kann man gut nachvollziehen, wie der Alltag im Kloster ursprünglich mal ausgesehen hat.
Solch einen historischen Ort in der Jetztzeit zu erhalten und weiterzuentwickeln braucht Partner. Mit wem arbeiten sie zusammen und welches Konzept fahren Sie, um das Gelände zukunftssicher zu gestalten?
Wir sind auf viele Partner und Unterstützer angewiesen, sonst würde das vor Ort nicht funktionieren. Unser Förderverein ist ein ganz wesentlicher Unterstützer, vor allem im Hinblick auf das Alltägliche, auf Führungen und Veranstaltungen. Ansonsten haben wir zahlreiche Geldgeber, die uns bei Investitionen und der Sicherung der Denkmalsubstanz unterstützen, wie zum Beispiel das Land Sachsen-Anhalt, der Bund oder die Sparkasse. Aber auch touristische Partner sind wichtig, denn die braucht man, um das Kloster bekannt zu machen, dafür zu werben. Hierzu gehört die Saale-Unstrut-Tourismus-GmbH oder auch die Straße der Romanik.
Dann wollen wir Ihnen und Ihrem Team nur das Allerbeste wünschen und uns bei Ihnen für Ihre Zeit und Ihr Engagement für unsere Region bedanken.
Das Interview wurde geführt von KUMBRA-Redakteur Volly Tanner
© Foto(s): privat