
über Martin Reschke
Werdegang
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*1952 in Laucha
Weiteres
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4 - 6 Kolumnen pro Jahr unter "Gott und die Welt" in der Mitteldeutschen Zeitung
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Lesungen (auch im Rahmen von Kumbra) mit Autoren im Ort und aus eigenen Texten
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seit 1971 im Gemeindekirchenrat
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seit 1989 Lektor seiner Kirchengemeinde (hält selbst Gottesdienste)
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mehrere Legislaturperioden im Gemeinderat in Kirchscheidungen
Deshalb male ich Geschichte
Interview mit Martin Reschke
Herr Reschke, Sie sind in Laucha geboren und seit vielen Jahren in Kirchscheidungen engagiert. Welche Rolle spielt Ihre Heimat für Ihr Schreiben und Ihre Texte?
1989 bekam unsere Kirchengemeinde einen Kopierapparat geschenkt. Der arbeitete noch mit Matrizen und Tusche. Wir wollten ein Gemeindeinfoblatt erstellen. Da am Ende des Blattes Lücken blieben, suchte ich Texte, diese auszufüllen. So bin ich in die Heimat- und deutsche Geschichte hineingeraten. Da es über Kirchscheidungen nur sehr wenig zu finden gibt, interessierte ich mich für die Geschichte der Nachbarorte und des hiesigen Adels. Zu den Nachkommen der Schulenburgs, Rockhausens und der Thierschs nahm ich Kontakt auf und von ihnen bekam ich viele wertvolle Hinweise und Dokumente. Auch M. Lauterbach, mein ehemaliger Lehrer, der die Ortschronik von Kirchscheidungen auf Vordermann brachte, half mir sehr dabei; ebenso J. G. Fuchs, ein indirekter Nachkomme der Thierschs.
Wer einmal in die Geschichte hineingerochen hat, kommt von ihr nicht mehr los. Das Suchtpotential ist sehr groß. Oft findet man lediglich zwei oder drei Sätze zu einem Thema in irgendwelchen Unterlagen. Die picke ich heraus und baue darum meine Geschichten, oft mit Erotik und Liebeshändeln ergänzt, die zum Lesen animieren und trockene Geschichte interessant machen.
Ich liebe die Geschichte von Kirchscheidungen, habe da z. B. die Geschichte des Malers Hans am Ende wieder entdeckt, aber ich bin auch in der deutschen Geschichte zu Hause, vor allen im 30-jährigen Krieg.
Wer einmal in die Geschichte hineingerochen hat, kommt von ihr nicht mehr los. Das Suchtpotential ist sehr groß. Oft findet man lediglich zwei oder drei Sätze zu einem Thema in irgendwelchen Unterlagen. Die picke ich heraus und baue darum meine Geschichten, oft mit Erotik und Liebeshändeln ergänzt, die zum Lesen animieren und trockene Geschichte interessant machen.
Ich liebe die Geschichte von Kirchscheidungen, habe da z. B. die Geschichte des Malers Hans am Ende wieder entdeckt, aber ich bin auch in der deutschen Geschichte zu Hause, vor allen im 30-jährigen Krieg.
Ihre Novelle „Beim Schrei des Käuzchens“ entstand bereits 2013 für eine Lesung im Backhaus der Heimatfreunde. Erinnern Sie sich noch daran, was damals der Auslöser oder die erste Idee für diese Geschichte war?
M. Lauterbach und E. Hornbogen waren die Initiatoren der Heimatfreunde. Mit einigen Frauen aus unseren Orten übte M. Lauterbach von ihm geschriebene Bauerntheaterstücke ein. Um sie herum entwarf er ein Nachmittag füllendes Programm. Dazu zählte eben auch, dass ich gebeten wurde, selbst verfasste Geschichten aus Kirchscheidungen und Umgebung vorzutragen. Es gibt ein kleines Heftchen über die Napoleonische Zeit in unserem Dorf. Darin erzählt der damalige Ortsschulze Demme seine Erlebnisse. Er schreibt auch vom Tod Henriette Thierschs. Das fand ich interessant und entwarf darum meine Fantasiegeschichte.
Im Mittelpunkt steht die Familie des Bäckers Benjamin Thiersch. Was hat Sie an dieser historischen Figur besonders interessiert oder berührt?
Die Querverbindung zwischen dem preußischen Offizier von 1806 und 1813 ist wunderbar. Ihm wurde 1806 von den Thierschs geholfen und 1813 half er ihnen und dem ganzen Dorf, als er die Kirchscheidunger warnte, dass ihr Versteck der Tiere verraten wurde.
B. Thiersch übte Nächstenliebe an einem Mann, der von Häschern gejagt wurde und eigentlich dem Tod geweiht war. Was hinderte den Preußen 1813 daran, ihn zum Tod wegen Mordes an dem Russen verurteilen zu lassen?
Der Bäcker konnte nicht anders handeln und doch verlor er durch die Aufdringlichkeit des Russen seine Frau. In Wahrheit war es nicht so!
B. Thiersch übte Nächstenliebe an einem Mann, der von Häschern gejagt wurde und eigentlich dem Tod geweiht war. Was hinderte den Preußen 1813 daran, ihn zum Tod wegen Mordes an dem Russen verurteilen zu lassen?
Der Bäcker konnte nicht anders handeln und doch verlor er durch die Aufdringlichkeit des Russen seine Frau. In Wahrheit war es nicht so!
Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für die lokale Geschichte – etwa durch die Kirchenchronik, das Gemeindeblatt oder Lesungen. Was motiviert Sie, sich so intensiv mit der Geschichte Ihres Ortes zu beschäftigen?
Ich versuche die Geschichte unseren Bürgern schmackhaft zu machen und auch anderen - Ortsfremden - immer wieder davon zu berichten und in Ausstellungen und Lesungen darauf hinzuweisen. Kirchscheidungen hat so viel Geschichte in petto. Das Wissen darum, quillt in mir einfach über, dass es eben raus muss. Die Chronik, Novellen und Romane sind das Ergebnis. Jeden Tag sitze ich am Computer und schreibe. Es macht mir Spaß.
In Ihren Texten spielt der Alltag der Menschen in früheren Zeiten eine große Rolle. Was fasziniert Sie besonders daran, diese Lebenswelt literarisch lebendig zu machen?
Wissen Sie, was ich da schon alles gelernt habe? Heraldik war nie mein Thema. Warum sind die Wappen genau so auf den Epitaphien angeordnet und nicht anders? Die Mode in früheren Zeiten ist interessant. Stammbäume zu malen und Beziehungen zwischen einzelnen Personen zu finden. Das ist einfach köstlich!
So fand ich die Beziehung zwischen Matthias Claudius ("Der Mond ist aufgegangen") und Clarissa Gudden geborene Voigt heraus. Dies brauchte ich für meinen Roman "Ganz am Ende". Es ist eine Lebensgeschichte des Malers Hans am Ende, der hier im Pfarrhaus lebte.
Schon immer haben mich historische Romane begeistert. Ich bin in erster Linie Historiker, aber die trockenen Geschichtsdaten holen heute niemanden hinterm Ofen vor. Deshalb male ich Geschichte, verfälsche sie vielleicht etwas, aber lenke mit meiner Art zu schreiben, auf sie hin.
So fand ich die Beziehung zwischen Matthias Claudius ("Der Mond ist aufgegangen") und Clarissa Gudden geborene Voigt heraus. Dies brauchte ich für meinen Roman "Ganz am Ende". Es ist eine Lebensgeschichte des Malers Hans am Ende, der hier im Pfarrhaus lebte.
Schon immer haben mich historische Romane begeistert. Ich bin in erster Linie Historiker, aber die trockenen Geschichtsdaten holen heute niemanden hinterm Ofen vor. Deshalb male ich Geschichte, verfälsche sie vielleicht etwas, aber lenke mit meiner Art zu schreiben, auf sie hin.
Sie haben Romane, Novellen, Krippenspiele und Kolumnen geschrieben. Gibt es ein Thema oder einen historischen Moment aus unserer Region, über den Sie noch unbedingt schreiben möchten?
Ich hatte schon begonnen über die Napoleonische Zeit zwischen 1806 und 1813 zu schreiben, so auch "Beim Schrei des Käuzchens", habe es aber wieder weggelegt.
An meinem riesigen Roman über den 30jährigen Krieg habe ich mit Unterbrechungen auch fast dreißig Jahre geschrieben. Rausgekommen ist der bestimmt umfangreichste Roman über diese dreißig Jahre. Ich habe so unheimlich viel dabei gelernt, aber das Buch mit bestimmt 4500 DIN A-4 Seiten wird niemand veröffentlichen. Zu Abstrichen bin ich allerdings auch nicht bereit. Da ist ebenfalls sehr viel Heimatgeschichte drin.
"Ganz am Ende" ist da handlicher, vielleicht auch erotischer und durch einige Bilder aufgelockerter. Ein Lektor fehlt mir noch. Zurück zur Frage: Heimatgeschichte über die Napoleonische Zeit habe ich gesammelt, Liebesgeschichten entstehen in meinem Kopf, aber den genauen Verlauf des Krieges habe ich noch nicht intus. Das bedarf viel Vorbereitung.
An meinem riesigen Roman über den 30jährigen Krieg habe ich mit Unterbrechungen auch fast dreißig Jahre geschrieben. Rausgekommen ist der bestimmt umfangreichste Roman über diese dreißig Jahre. Ich habe so unheimlich viel dabei gelernt, aber das Buch mit bestimmt 4500 DIN A-4 Seiten wird niemand veröffentlichen. Zu Abstrichen bin ich allerdings auch nicht bereit. Da ist ebenfalls sehr viel Heimatgeschichte drin.
"Ganz am Ende" ist da handlicher, vielleicht auch erotischer und durch einige Bilder aufgelockerter. Ein Lektor fehlt mir noch. Zurück zur Frage: Heimatgeschichte über die Napoleonische Zeit habe ich gesammelt, Liebesgeschichten entstehen in meinem Kopf, aber den genauen Verlauf des Krieges habe ich noch nicht intus. Das bedarf viel Vorbereitung.
Was würden Sie Menschen empfehlen, die sich für die Geschichte unserer Region interessieren, aber noch nicht so recht wissen, wie sie einen Einstieg finden können?
Lesen! Lesen! Lesen! In fast jedem Ort gibt es Menschen, die wie ich vom Geschichtsvirus infiziert sind. Diese Epidemie gab es schon lange vor Corona. Sie ist unheilbar. Diese Personen haben viele Unterlagen und Infos. So manches wandelnde Geschichtsbuch ist unter ihnen. Quetsche sie aus! Und schon ist das Virus übergesprungen und ein Anfang gefunden.
Das Interview wurde geführt von Lion Hartmann und Christian Rößler
© Foto(s): Burgenlandkreis, Amt für Bildung Kultur und Sport